18.07.2008 Süd Jüdland

Um etwa fünf Uhr nachmittags klingelte es an meiner Tür und Boris und Kolja kamen meine Treppe hinauf. Schnell wurden die letzten Sachen gepackt und los ging es. Auto beladen, die letzten Einkäufe erledigen und ab auf die A7 Richtung Dänemark. Nach ca. zweihundert Kilometern Ankunft am Parkplatz in DK. Schnell wurde sich angezogen, aufgetackelt und los ging es Richtung Strand. Der Spot begrüßte uns auf den ersten Blick eher etwas unscheinbar. Klares Wasser, keine Welle kaum Strömung und leicht ablandiger Wind!

Boris und ich schlugen sofort den Weg Richtung Riff ein wo wir uns wenigstens ein bisschen Bewegung im Wasser erhofften. Kolja blieb an der Stelle, an der wir die Steilküste herunter gestiegen waren. Gleich beim ersten Wurf auf dem Riff bekam ich Kontakt zwei kurze rucke und weg. So ein sch…. das wär’s ja gewesen. Nach einigen Kontakten und ca. einer Stunde erfolglosem werfen entschied ich mich eine Pause einzulegen. Es war gerade halb zehn. Als ich zu Kolja herüber sah der etwa 100 Meter von mir entfernt im Wasser stand, hob dieser zur gleichen Zeit die Rute an und fing an die offenbar verhedderte Runningline hektisch zu entwirren. Nach einigen Sekunden vernahm ich das erste Mal ein leises Hey! Dies bedeutete wohl, dass er Hilfe gebrauchen könnte, also machte ich mich auf den Weg.

Die "Goldene Stunde" brachte Bewegung ins Wasser und Kolja einen super Fisch ans Band

Kurze Zeit später hörte sich das ganze eher nach HEEEYYY an! Da hing wohl ein größerer Fisch am Band, also bewegte ich mich jetzt etwas schneller. Als ich gerade bei Kolja angekommen war, rief dieser schon: „die hat gute drei Kilo!“ Ich sah sofort dass es sich hier nicht um einen der üblichen 50er Standartfische handelte. Da hatte sich wohl etwas Größeres auf seine Fliege gestürzt. Ich watete langsam zu ihm hinaus und verfolgte den Drill mit dem Kescher in der Hand. Der Fisch zog ruhig seine Bahnen und machte keine Sprünge. Allerdings wälzte er sich einige Male an der Oberfläche. Der Fisch nahm immer wieder ein paar Meter von der Rolle, die verlorene Schnur konnte Kolja aber immer wieder zurück gewinnen, nur um sie sich sofort wieder abnehmen zu lassen… Es dauerte eine Weile bis ich den Fisch im klaren Wasser das erste Mal zu Gesicht bekam. Der Fisch schimmerte silbrig und man konnte deutlich die großen schwarzen Flecken auf der Seite erkennen. Dies war ein 60+ Fisch, den man auf keinen Fall verlieren durfte! Ich konnte die Fliege nicht sehen also nahm ich an, dass der Fisch gut gehakt war. Dies sagte ich Kolja auch… als Antwort erhielt ich nur ein recht schroffes: „sei bloß ruhig, der ist noch lange nicht draußen!“

Klasse Sommerfisch

Langsam zeigte der Fisch die ersten Ermüdungserscheinungen. Kolja führte den Fisch auf mich zu. Ich hielt den Kescher und hatte planmäßig vor diesen anzuheben, sobald der Fisch sich darüber befinden würde. DENKSTE! Ein paar schnelle Flossenschläge reichten aus um sich wieder etliche Meter von uns zu entfernen. Der zweite Versuch… genau das gleiche Spiel!

Ein paar Minuten später sollte es dann aber soweit sein. Der Fisch bewegt sich auf mich zu. Er war schon fast am Kescher… nur noch 30 cm! NEIN… wieder abgetaucht. Jetzt saß die Forelle vor meinen Füßen im Tang und machte die “ Krokodilsrolle“. Beim Kescherversuch lief Wasser in meine Hose und kurzzeitig dachte ich der Fisch währe verloren gegangen, was ich Kolja aber nicht sagte. Er war es aber nicht!

Koljas Kommentar dazu: „Kescher die jetzt, sonst mach ich das selber!“ Ich schrieb diesen Kommentar allerdings nicht seinem Mistrauen in mich zu, seinen Fisch zu keschern, sondern der Panik diesen im letzten Moment noch zu verlieren. Dann ging alles gut. Kolja dreht den Fisch, dieser kam auf mich zu, Kescher hoch und drin war er. Zurück am Ufer war die Freude nun groß und es hagelte Glückwünsche von allen Seiten.

Ich schätze die Meerforelle auf ca. 70cm und 3,5 bis 3,8 Kilo.

Nach einigen Zigaretten, dem verdientem Bier und einigen Schätzungsversuchen später, liehen wir uns Maßband und Wage von einem anderen deutschen Fischer der den gleichen Riecher hatte, wie wir. Ich nahm die „offizielle Messung“ vor und konnte messen wie ich wollte… Der Fisch hatte 76 cm bei 4,6 Kilo!

Nachdem der Fisch und Fänger standesgemäß abgelichtet war und wir uns noch ein paar Bier auf diesen Erfolg gönnten, fischten wir noch bis ca. 1uhr morgens weiter. Obwohl wir einige, meist kleinere Fische, rauben hörten blieb der restliche Abend erfolglos.

Fischen bis in die Nacht

Einige hundert Meter entfernt, hatten drei andere deutsche ihr Lager aufgeschlagen und ein leichter wind wehte einen herlicher Grillduft zu uns herüber. Da man zu Tageszeiten schon ein Schwätzchen gehalten hatte gesellten wir uns vor dem Schlafen gehen noch auf ein Feierabendbier zu ihnen. Dann schlüpften wir vollkommen erschöpft in unsre Schlafsäcke um nach zwei Stunden wieder unsanft von Regen geweckt zu werden. Also pellten wir uns aus den nassen Schlafsäcken und ab in die Watkleidung. Ohne Frühstück ging’s dann auch wieder aufs Riff. Kolja wandte sich der Stelle vom Abend zu. Nach einer halben Stunde war ich dann fest und ein paar Minuten später konnte ich einen „ende vierziger“ Fisch in meinen Schnurkorb heben. Dann war aber erstmal Schluss und auch Boris der neben mir stand hatte nur ein paar zögerliche Kontakte verzeichnen können.

Als es jetzt immer heller wurde fischte ich mich in Richtung Kolja. Dort angekommen musste ich dann sehen, dass er schon wieder zugeschlagen hatte. Zwei 55 er Fische lagen da am Strand. Außerdem hatte sich noch eine ca.40er auf seine große braune Fliege gestürzt.

Auch die deutschen vom letzten Abend, die in der Nähe fischten, konnten einen schönen Fisch und noch ein paar Bisse verbuchen. Die Sonne stieg jetzt schnell höher und die Fische stellten ihre Aktivität bald ein. Ich verlor noch einen guten Fisch, aber das war’s dann auch.

Also, die Hühner satteln und ab nach Hause.

Alles in allem, war es ein super Trip mit meinen Freunden und einem außergewöhnlichen Ergebnis!

Tight Lines,
Mawill