Winterzeit ist Fliegenbindezeit… Seit bestehen dieser Seite haben wir das Anliegen, unsere Erlebnisberichte vom Wasser, mit praktischen Tipps direkt vom Bindetisch zu hinterlegen. Dieser Artikel ist somit der erste, einer ganzen Reihe geplanter Berichte, zum Thema Fliegenbinden. Beginnend mit Meerforellenfliegen, für die Fischerei an der winterlichen Küste, werden wir uns thematisch durch die verschiedenen Jahreszeiten und deren spezifische Fliegenmuster tasten. Außerdem sollen dann auch Lachsfliegen und Fliegen für die Fischerei auf Hechte folgen. Dieses Repoirtoir soll interessierten Lesern die Möglichkeit bieten, hinter die Geschichten um gefangene Fische zu blicken und von unseren Erfahrungen zu profitieren!
Jeder von uns hat in den vergangenen Jahren, weitreichende Erfahrungen mit den Fliegen seiner Box sammeln können. Dies geschieht in der Regel, durch deren kontinuierlichen Einsatz an unterschiedlichen Gewässern und unter variierenden Bedingungen… Verschiedenen Situationen verlangen dabei nach unterschiedlichsten Fliegenmustern. So haben sich, mit der Zeit, einige unserer Muster als erfolgreicher herausgestellt als andere! Einige Fliegen haben ihre Stärken hingegen, nur in ganz bestimmten Situationen ausspielen können. Andere wiederum, sind nach verpatzten Einsätzen entweder sofort auf dem Müll gelandet oder warten seit langer Zeit, in einer dunklen, verstaubten Ecke unserer Fliegenboxen darauf, endlich die gewünschten Bedingungen vorzufinden um ihren Einsatz zu rechtfertigen…
Wie angedeutet, sind es die jeweils vorgefundenen Situationen, die eine Stimme in unseren Köpfen sprechen lässt, wonach wir die eine Fliege aus der Tiefe unserer Box hervorkramen, um alle unsere Hoffnungen und Wünsche mit ihr in Richtung Fisch flitzen zu lassen… Dabei könnte beim Leihen nun der Eindruck entstehen, dieser Typ gehört nicht ans Wasser sondern besser in eine “Klapse”! Was dieser Fischer jedoch tut ist, unterbewusst alle vorgefundenen Faktoren (Temperatur, Beutespektrum, Wassertrübung, Wetter, Wind, Strömung etc.), von denen er vermutet, dass sie den Fisch in seinem Verhalten beeinflussen könnten abzuwägen, um danach ein Muster für die Pirsch auszuwählen.
Natürlich gibt es auch diejenigen, die ohne viel nachzudenken, 365 Tage im Jahr, einen braunen Wolly Bugger ans Vorfach knoten und damit genau so gut oder sogar besser fangen, als der oben beschriebene Fischer… Vielleicht machen wir ja auch einfach mal ein “Wolly Bugger – Spezial” ;-)
An dieser Stelle möchte ich jedoch mit einer Fliege beginnen, die nach meinen Vorstellungen zu den vorgefundenen Bedingungen, wie sie an vielen Wintertagen an der Küste üblich sind, passt. Oft sind die Lichtverhältnisse in den kurzen Wintertagen, insbesondere an bedeckten Tagen und während der Morgen- und Abendstunden, eher mäßig. Kaltes Wasser und das verhältnismäßig geringe Nahrungsangebot, lassen die Fische zu dieser Jahreszeit manchmal sehr träge wirken. Solche Bedingungen beeinflussen die “Stimmen in meinem Kopf” so, dass ich manchmal zu einem auffälligen Muster tendiere. Damit verbinde ich die Hoffnung, dass die Fliege von den Fischen nicht übersehen werden kann… Die Erfahrung zeigt, dass Muster in knalligen Farben, ihre Stärken unter diesen Bedingungen ausspielen können. Auch wenn ich es so oft wie möglich vermeide, mir solchen “Christbaumschmuck” ans Vorfach zu hängen, komme ich manchmal einfach nicht drum herum! Die Fliege, an der ich im Winter manchmal einfach nicht vorbei komme ist die Juletrae, sowohl als Original als auch in unterschiedlichen Abwandlungen (siehe unten).
Natürlich handelt es sich hierbei nicht um ein Muster, dass ich erfunden habe. Ganz im Gegenteil, diese Fliege ist älter als ich denken kann! Ich erinnere mich, dass ich in jungen Jahren meine erste Juletrae an einem Forellensee am Band hatte. Damals konnte ich mit dieser Fliege meine ersten Forellen überlisten… ungewöhnlich aber wahr! Heute kommt es eher selten vor, dass ich mich an einen Forellensee verirre, was von damals allerdings geblieben ist, ist dass diese Fliege Regenbogenforellen oder Steelheads, wie sie wegen ihrer silbernen Färbung an der Küste liebevoll genannt werden, fängt. Natürlich lassen sich aber auch Meerforellen mit dieser Fliege überlisten!

Was macht diese Fliege für mich so interessant? Wie ich bereits erwähnt habe, empfinde ich häufig eine gewisse Abneigung gegen grelle Fliegenmuster… ich finde einfach, dass es ästhetischere Fliegen gibt, die solch außergewöhnlichen Fischen wie es die Salmoniden in der Ostsee sind, eher gerecht werden. Zumindest kann ich mir einbilden, ein besonders schönes, originalgetreues Muster gebunden zu haben, wenn ich einen Fisch auf z.B. eine Garnelenimitation mit Plastikaugen, synthetischen Fühlern, Beinchen aus Emufedern und Epoxyrücken, überlisten konnte.

Die Juletrae ist eine “2 Minuten Fliege”. Wenn ich schon stümpern muss, dann richtig! Soll heißen, dass sich andere die Mühe machen sollen, ihre Winterfliegen in knalligen Farben und ausgefeilten Mustern zu binden. Diese Fliege fängt! So verwende ich zum Binden dieser Fliege gerne einen dickdrätigen Haken, um mir die zusätzliche Arbeit, Beschwerung einzubinden zu ersparen. Auf den Bildern handelt es sich um den Kamasan B175. Als Bindfaden eignet sich für mich der UTC in stärke 140 und in einer zur Fliege passenden Farbe. als Unterfütterung vom Mylarschlauch verbinde ich alles, 
was mir in die Finger kommt. Für die klassische Juletrae verwende ich Flashabou “Minnow Body”, für die orange Variante (Flammen) nehme ich Mylar Tubing “Glow in the dark orange”. Dieser Mylarschlauch leuchtet tatsächlich in der Dunkelheit, allerdings glaube ich nicht, dass dieser Umstand zur Atraktivität dieser Fliege beiträgt!
Tight Lines,
Kolja Veyhle



















