Fliegenbinden – “Flies of the Season” 2010 – Rotenon Fly

Rotenon ist ein Gift, dessen Wirkung bereits im 17. Jahrhundert bekannt war. In jener Zeit gewannen Fischer einiger Insel-Völker, bereits ein Betäubendes Mittel aus zerstampften Wurzeln verschiedener Pflanzen (u.a. Fabacea). Die Fischer machten sich die betäubende Eigenschaft, dieses Mittels das später als Rotenonhaltig identifiziert wurde, beim Fischfang zu nutze – so wurden Fische betäubt und anschließend aufgespießt. In einigen Völkern, u.a. Mexikos, Ecuadors und Brasiliens finden die Pflanzen noch heute Anwendung im traditionellen Fischfang.

Im Zeitalter der Industrialisierung war es nun möglich, dieses Gift künstlich zu synthetisieren und in große Mengen mit hoher Potenz herzustellen. Seinen Einsatz findet Rotenon heute hauptsächlich als Pestizid in der Landwirtschaft (in Deutschland verboten). Die Landwirte machen sich dabei die Eigenschaft zunutze, dass sich Rotenon im Freien relativ schnell zersetzt…

Norwegen hat seit der kommerziellen Nutzung seiner Fjorde durch intensive Aqua-Kultur, unterschiedlichste negative Folgen für die Umwelt erfahren müssen… das soll hier nicht das Thema sein! Als die Norweger etwa 1970 Fische aus Schweden importierten, bekamen sie einen Parasiten umsonst dazu. Es handelt sich um den Ektoparasiten, Gyrodactylus salaris eine Plattwurm-Art, etwa einen halben mm lang, der für seinen Wirt äußerst schädlich ist! Dieser Parasit besiedelte im laufe der Jahre viele Flüsse (bis 2010 fas 50 Flüsse) und sorgte dort für einen drastischen Rückgang der heimischen Populationen an Atlantiklachsen. Lange Zeit haben die Norweger ihre befallenen Flüsse mit Rotenon „behandelt“, um den Parasiten loszuwerden… Nur leider hat der Einsatz dieses Giftes die kleine Nebenwirkung wirklich alles Leben unter der Wasseroberfläche zu zerstören! Heute experimentiert man mit einem Giftcocktail aus wässrigem Aluminium und Schwefelsäure, erste erfolgversprechende Versuche finden derzeit u.a. am Laerdal statt.

Rotenon Fly

Zurück zu unserer Fliege

Ich las von dieser Fliege, das erste Mal vor etwa zwei Jahren, als ich mich in den Recherchen für meinen ersten Trip an die Gaula befand. Jan Erik Granbo beschreibt diese Fliege, auf seiner Internetseite sehr ausführlich. Ich möchte hier nicht übersetzen, was man bei ihm lesen kann also beschränke ich mich auf das wesentliche… Anscheinend wird die Rotenon- Fliege seit kurzer Zeit sehr erfolgreich an der Gaula gefischt. Insbesondere dann, wenn die Bedingungen wieder einmal nicht so perfekt sind wie wir sie gerne hätten, fängt diese Fliege noch ihre Fische. Soll heißen, bei niedrigem und klarem Wasser…

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Niko mit Gaulalachs...

Die Fliege im Maulwinkel - eine Rotenon

In diesem Jahr kamen wir bei den schlechtesten Bedingungen an die Gaula, die wir uns hätten wünschen können! Der niedrigste Wasserstand seit vielen Jahren, warm und glasklar. Trotzdem konnten wir in den kommenden Tagen, bevor sich die Bedingungen etwas verbesserten (Regen), einige Kontakte herstellen. Niko war der erste der einen schönen Lachs von etwa 3,5kg  aus einer Stromschnelle pulte. Diese Fliege war fast das einige, was unter den bescheidenen Bedingungen überhaupt noch lief.

Ich empfehle daher jedem, der in der späten Saison zum Lachsfischen fährt, einige dieser Fliegen in petto zu haben – nicht nur an der Gaula ist (die) Rotenon „tötlich“!

Tight lines,

Kolja