Fliegenbinden – Im Frühjahr auf Forelle

Nico mit Forelle die einem großen Streamer nicht wiederstehen konnte

Endlich ist es soweit. Unzählige österreichische Fliegenfischer erwarten dieses magische Datum, um am 16. März in die neue Fischereisaison zu starten. Für mich war die fischlose Zeit zwar nicht so lang, da ich bis zum Ende des Februar, als die Huchensaison zu Ende ging, noch viel Zeit am Wasser verbracht habe. Trotzdem freue ich mich jedes Jahr wie Oskar, endlich wieder zu leichterem Gerät greifen zu können und auch wieder eine höhere Kontaktfrequenz beim Fischen zu erleben.

Das Frühjahr ist eine besondere Zeit in der Forellensaison. Nach einer langen Fastenzeit mit tiefen Wassertemperaturen und nur wenigen Lebenszeichen unter Wasser, wecken nun die ersten länger werdenden Sonnentage, die Lebensgeister der Fettflossenträger. Und genau dies ist die Zeit in der es möglich ist die ganz großen Bachforellen zu fangen, die das restliche Jahr tagsüber versteckt unter überhängenden Büschen oder unterspülten Ufern stehen und sich nur in der Dämmerung auf Raubzug begeben. Diese Altfische sind im Frühjahr nicht ganz so vorsichtig und dankbar für jeden Happen, der ihren Standplatz passiert.

Nikos Koppenstreamer

Da Bachforellen ab einer gewissen Größe ihre Nahrungsgewohnheiten umstellen und zunehmend räuberisch werden, bietet sich für diese Kaliber das Befischen mit Streamern an. In Gewässern mit guten Koppenbeständen ist ein stark beschwerter Koppenstreamer zwischen 6 und 8 cm erste Wahl. Wegen der geringen Wassertemperaturen im Frühjahr, sind die Forellen noch nicht gewollt einer Beute weit nachzujagen. Außerdem verlassen sie bei der Jagd selten den Gewässergrund um sich ein Fischchen aus dem Oberflächenwasser zu holen. Einen Koppenstreamer, über den Grund hüpfend präsentiert, entspricht dem natürlichen Beutespektrum jener Zeit und verführt jede hungrige Bachforelle.

Nikos Geheimwaffe

Koppenstreamer binde ich meist in natürlichen Grau- und Brauntönen oder in Schwarz.

Neben dem Koppenstreamer, binde und fische ich sehr gerne Lucky Diver Streamer zwischen 6 und 10 cm Länge. Der Streamer besteht aus einem langen Zonkerstreifen in diesen mit geflochtener Schnur ein Springerhaken eingenäht wird. Der Bogen des vorderen Hakens wird nach dem Fertigstellen mit einem Seitenschneider entfernt. Der in diesem Muster sehr weit hinten sitzende Haken hat einen Vorteil, da sich die Fische selbst bei vorsichtigen Bissen gut haken.

Nikos Bunnys

Dieser Streamer sorgte so schon häufig für spannende Drills, als die Fischerei heikel war und alles Andere erfolglos war. Wer diesen Streamer selber binden will, sollte darauf achten ein sehr kurzschenkeliger Haken mit weitem Bogen zu verwenden. Da auch die großen Bachforellen im Drill dazu neigen sich einzudrehen bietet ein kurzer Hebel weniger Möglichkeiten den Haken aushebeln. Den Lucky binde ich für ein lebendigeres Spiel meist nur leicht beschwert. Um grundnah zu fischen verwende ich deshalb Schussköpfe mit entsprechend hohen Sinkraten. Ich fische den Lucky bevorzugt in den Farben Schwarz, Lila, Grau und Braun. Eine ausführliche Bindebeschreibung mit Fotos folgt in Kürze.

Große Bachforellen lieben die "Bunnys"

Auch die Koppenstreamer sind gefährlich

An dieser Stelle kurz ein paar Worte zum Gerät. Wie bereits beschrieben, muss die Fliege im Frühjahr runter! An sehr verwachsenen bzw. kleineren Gewässern fische ich eine nur 7 Fuß lange Rute #6 mit ganz kurzen Schussköpfen mit 6 – 7 Metern Länge. Damit kann ich sehr schwere Streamer auf Distanzen bis 15 Meter switchen.

An größeren Flüssen verwende ich gerne leichte Zweihandruten (bzw. Switchruten) zwischen 11 und 12 Fuß der Klasse 6 oder 7. Wegen der beschwerten Streamer sollte das Vorfach recht kurz gehalten werden. Als Vorfachspitze verwende ich mindestens Durchmesser von 0,25 mm, lieber aber 0,30 mm. Ich will ja die Großen fangen und für die braucht man Reserven! Was eine 5 kg+ Forelle in schnellerer Strömung mit einem 0,20iger Vorfach macht, kann man sich ausmalen. Außerdem kann man den Fisch im Drill somit besser forcieren und den Fisch hinterher ohne Bedenken zurücksetzen.

Im Frühjahr sind nicht nur Bäche und Flüsse für die Streamerfischerei interessant. Stauseen und natürliche Seen mit Bach-, Regen- oder Seeforellen, warten zu Saisonbeginn mit einer sehr spannenden Streamerfischerei auf kapitale Forellen auf. Die Kapitalen, die den Rest des Jahres auf Tauchstation in den tieferen Gewässerschichten verbringen suchen im Frühjahr ganz gezielt die Flachwasserzonen auf. Hier erwacht die Unterwasserflora – und Fauna früher als in tieferen Gewässerteilen. Anhand von Tiefenkarten sind diese Seichtwasserzonen schnell gefunden. Wo erlaubt wähle ich die Fischerei vom Belly Boat. Bei vorsichtiger Annäherung erwarten uns große Forellen, oft stehen diese im nur knietiefen Wasser und können auf Sicht angeworfen werden.

So, nun genug der Schreiberei. Ich habe heut noch eine Verabredung mit ein paar guten Standforellen. Die kurze Zeit bevor das Schmelzwasser aus den Bergen kommt will genutzt sein.

Petri Heil,

Nikolai Prietl