Catch & Release

Wenn es um Catch & Release (im folgenden C&R) geht, spalten sich die Gemüter von uns Fliegenfischern wie bei kaum einem anderen Thema! Es gibt viele Argumente die dafür sprechen, einem Fisch nach gelungener Landung und schonender Behandlung durch den Fliegenfischer, zurückzusetzen. Im Folgenden werden wir uns diesen Argumenten widmen, wohl wissend dass es viele „Catch & Releas-Gegner“ unter uns gibt, die Zweifel an dieser Handlung hegen.

Wir stellen uns auf die Seite derjenigen, die C&R als sinnvolle und ferner notwendige Handlung ansehen, um bedrohte Fischbestände für die Zukunft zu erhalten. In diesem Artikel geht es uns darum, alle diejenigen Fliegenfischer, die bis dato keine Position zu diesem Thema bezogen haben, hierzu anzuregen um in Zukunft beim Fischen bewusster zu handeln. Wir wollen jedoch niemanden bekehren, der Position gegen C&R bezogen hat… Auch wenn sich für uns einfach nicht erschließen mag, warum man einen vitalen Fisch, nach dem Fang nicht zurücksetzen sollte.

Südschwedische Meerforelle

Unter uns Fliegenfischern, hat der eine oder andere, bestimmt auch schon einmal einen Tag am Wasser erlebt, an dem man am Abend feststellen musste, mehr Fische entnommen zu haben, als zur direkten Verwertung vernünftig gewesen wären. Wer kennt das beschämende Gefühl nicht, einer für uns Fliegenfischern so begehrenswerte Kreatur, ein unwürdiges Ende bereitet zu haben? Glücklicherweise sind die Tage an denen man mehr fängt als man verzehren kann nicht die Regel sondern die Ausnahme. Und zum Glück lernen wir aus unseren Fehlern und handeln zukünftig bewusst, indem wir einen Fisch zurücksetzen, wenn wir Gründe dafür sehen, so zu handeln.

Die Gründe für C&R sind für uns jedoch komplexer als lediglich zu entscheiden, ob man einen gefangenen Fisch

Lachsweibchen sollten releast werden

essen möchte oder nicht! So setze ich Fische zurück, die in ihrer Kondition nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Aber auch ein gut- konditionierter Fisch, kommt schon mal wieder zurück wenn die Situation dies anbietet. Wohl ahnend dass dieser Fisch zu seiner Arterhaltung beitragen wird! Ein Tag am Wasser gewinnt für mich ungemein, der Natur und ihrer Kreatur den gebührenden Respekt zu zollen empfinde ich als selbstverständlich, ferner als sehr zufriedenstellenden Akt. Schließlich geht es uns Fliegenfischern doch um mehr, als darum unbedingt einen Fisch fürs Abendessen zu fangen (Sonst könnten wir auch einen Wurm ran hängen…)!

.

Mörrumkelt C&R

Abhaken im Wasser

Rügenhecht C&R

Besonders In der Lachs-Fliegenfischer Szene hat C&R in den vergangenen Jahren stark an Popularität hinzu gewonnen. Diejenigen die mit dem Thema vertraut sind wissen, dass die natürlichen Populationen von atlantischem Lachs, stark gefährdet sind und viele Lachs-Stämme vom Aussterben bedroht, oder bereits vollständig aus ihren Heimatflüssen verschwunden sind.

In den vergangenen Jahren haben viele von uns, den Rückgang der Populationen miterleben müssen. Die durchschnittlichen Saisonfänge bleiben an vielen Flüssen weit unter dem Schnitt vergangener Jahre. Viele Fliegenfischer haben sich im Zuge dessen, Gedanken über ihre eigenen Fangpolitik gemacht (auch wenn sie wohl nur einen kleinen Teil zu dieser Misere beigetragen haben) und C&R als Methode erkannt, einen Teil zur Arterhaltung beizusteuern.

Noch in den 90er Jahren war wenig über die Auswirkung von C&R bekannt. Außerdem sahen viele wohl auch keinen Anlass hierfür. Erst als sich die Situation auch für uns Fliegenfischer, durch verminderte Fänge und einhergehender Quotenerhebung oder gar generellen Fangverboten, drastisch bemerkbar machte, begannen sich viele Fliegenfischer mit diesem Thema auseinander zu setzen. Im folgenden begann man sich auch in der Forschung für dieses Thema zu interessieren, 1998 erschien die erste mir bekannte wissenschaftliche Arbeit von Tufts, Davidson und Bielak „Biological Implications of Catch and Release Angling of Atlantic Salmon“, rasch gefolgt von weiteren Studien. Aus Russland kam „Evaluation of the effects of catch-and-release angling on the Atlantic Salmon (Salmo Salar) on the Ponoi River, Kola Peninsular, Russian Federation” von  F.G. Whoriskey, S Prusov, S Crabbe, in Ecology of Freshwater Fish 2000.

Mawill setzt einen Russlandlachs zurück, zum Fotografieren wurde er nur leicht aus dem Wasser gehoben

Viele unter uns erkannten in diesem Zuge, wie wichtig diese Entscheidung einen Fisch zu releasen einmal werden könnte, um unseren Teil zur Erhaltung bedrohter Bestände beizusteuern. Zumal die o.g. Studien eindeutig bewiesen, dass eine Großzahl der C&R Lachse diese Prozedur überlebten, sich ferner innerhalb von 24h vollständig erholten und im Herbst am Leichgeschäft und somit auch ihrer Arterhaltung teilnehmen konnten. Erhöhte Parr-produktion steigert die Konkurrenz, so dass nur die fittesten überleben und damit die Basis für gesunde Bestände bilden. Dieser Umstand ist letzten Endes der Grund für unser Plädoyer, C&R zu praktizieren, vorausgesetzt die Situation lässt dies zu und der Fisch wird bei der Landung ordentlich behandelt (siehe Verhaltensrichtlinien für C&R). Priorität haben weibliche Fische, da Sie die Grundlage für den Nachwuchs in sich tragen…

Selbst wenn die Überlebensrate nicht 100% beträgt, ist dies kein Argument welches gegen C&R spricht. Im Gegenteil, nimmt ein entnommener Fisch zu 100% Sicherheit nicht am Laichgeschäft teil, während es die meisten zurückgesetzten jedoch schaffen!

Wenn man sich dazu entscheidet C&R zu Praktizieren sollte man einige Überlegungen darüber machen, wie ein Fisch möglichst schonend behandelt werden kann. Folgender Leitfaden kann dabei helfen, einen Fisch geringstem Stress auszusetzen, Verletzungen zu reduzieren und letztendlich die Überlebenschancen deutlich zu steigern!

 

Der Drill sollte möglichst kurz sein, dafür muss man stets Druck auf den Fisch ausüben

1. Generelles…

Man sollte bereits vor der Landung, besser bereits bevor man mit dem Fischen beginnt darüber nachdenken, ob man einen gefangenen Fisch evt. zurückgesetzt werden soll.

Der Angelplatz muss danach gewählt werden, ob hierzu Möglichkeiten bestehen!

2. Das Gerät…

Rutenklasse, Rollengröße, Tippetstärke und Hakengröße sollten dem zu erwartenden Fisch angemessen gewählt werden!

Die Überlebenschance wird maßgeblich von der Drillzeit bestimmt. Diese sollte also so kurz wie möglich gehalten

Der Kopf des Fisches sollte während des Abhakens im Wasser bleiben

werden, beim Drillen nicht rumspielen und angemessenen Druck ausüben. Seitlicher Druck kann die Drillzeit im Fluss erheblich verkürzen!

3. Die Landung…

Am besten löst man den Haken im Wasser, ohne den Fisch dabei anzufassen. Muss man den Fisch berühren, dann sollten die Hände vorher genässt werden. Ein Einzelhaken eignet sich besser als ein Mehrfachhaken, gegebenenfalls sollte der Widerhaken vorher angedrückt werden (siehe Punkt 1).

Beim „Beachen“ eignen sich ein Untergrund aus nassen Pflanzen eher als Sand oder Steine.

Benutzt man ein Netz, sollte dieses vorher wohl genässt

Ein Schottland-Fisch im traditionelles Netz des Gillies - knotenlose Netze schonen den Fisch eher

werden und knotenlos sein.

Beim Schwanzwurzelgriff, darf der Fisch nicht aus dem Wasser gehoben werden. Will man ein Foto machen, sollte der Fisch mit der anderen Hand unterm Bauch stabilisiert werden und möglichst kurz angehoben werden. Ein Kiemengriff ist unter allen Umständen zu vermeiden!

Will man den Fisch messen, sollte kein Maßband verwendet werden. Ersten Dauert es zu lang und zweitens verletzt es evt. die Schleimschicht. Eine Markierung an der Rute kann ggf. als Größenvergleich dienen. Ist man sich unsicher, ob der Fisch das Mindestmaß erfüllt, ist er für mich zu klein und darf wieder Schwimmen!

Der Aufenthalt an der Luft sollte vermieden, bzw. möglichst kurz gehalten werden!

 

Hat man alle Punkte beachtet, ist das releasen eines Fisches bedenkenlos durchzuführen

4. Das Zurücksetzen…

Die Wasserbedingungen spielen eine entscheidende Rolle. Warmes Wasser ist für jeden Fisch kritisch und minimiert die Überlebenschancen im zunehmenden Maße (siehe Punkt 1)

In strömendem Wasser sollte der Fisch stromauf an Schwanz und Bauch stabilisiert gehalten werden. Gegebenenfalls mit den Fingern in die Maulspalte greifen und dieses leicht öffnen um den Wasserdurchfluss zu verbessern. Das oft praktizierte „hin und her schieben“ des Fisches ist nur in stillem Wasser zu empfehlen! Den Fisch sollte man erst dann schwimmen lassen wenn er dies aus eigener Kraft und mit starker Flossenbewegung tut! Verletzte oder deutlich erschöpfte Fische sind in der Pfanne besser Aufgehoben…

 

Mawill stabilisiert den Lachs in der Strömung, so dass Wasser durch seine Kiemen laufen kann und der Fisch sich erholt

5. Beweise Menschenverstand…

Wäge ab, wie die Chancen des Fisches stehen um zu entscheiden ob das Releasen Sinn hat!

Würde jeder von uns beim Fischen bewusst handeln, dann bräuchten wir keine Paragraphen, die uns vorschreiben keinen Fisch zurücksetzen zu dürfen!

Wir hoffen, unseren Standpunkt verdeutlicht zu haben. Vielleicht konnten wir ja den einen oder anderen dazu bewegen, in Zukunft bewusster zu handeln. Und wenn durch diesen Text auch nur ein Fisch mehr releast wird, sehen wir dies als großen Erfolg um die Bestände nachhaltig zu sichern! Mit Sicherheit sind viele einer anderen Meinung, allerdings sollte ihnen bewusst sein, dass auch sie durch C&R profitieren…

„The finest gift you can give to any fisherman is to put a good fish back, and who knows if the fish that you caught isn’t someone else’s gift to you?“ Lee Wulff

T.L

Mawill und Kolja