DSC02155Wenn es um Catch & Release (im folgenden C&R) geht, spalten sich die Gemüter von uns Fliegenfischern wie bei kaum einem anderen Thema! Es gibt viele Argumente die dafür sprechen, einem Fisch nach gelungener Landung und schonender Behandlung durch den Fliegenfischer, zurückzusetzen. Im Folgenden werden wir uns diesen Argumenten widmen, wohl wissend dass es viele „Catch & Releas-Gegner“ unter uns gibt, die Zweifel an dieser Handlung hegen.

Wir stellen uns auf die Seite derjenigen, die C&R als sinnvolle und ferner notwendige Handlung ansehen, um bedrohte Fischbestände für die Zukunft zu erhalten. In diesem Artikel geht es uns darum, alle diejenigen Fliegenfischer, die bis dato keine Position zu diesem Thema bezogen haben, hierzu anzuregen um in Zukunft beim Fischen bewusster zu handeln. Wir wollen jedoch niemanden bekehren, der Position gegen C&R bezogen hat… Auch wenn sich für uns einfach nicht erschließen mag, warum man einen vitalen Fisch, nach dem Fang nicht zurücksetzen sollte.

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Unter uns Fliegenfischern, hat der eine oder andere, bestimmt auch schon einmal einen Tag am Wasser erlebt, an dem man am Abend feststellen musste, mehr Fische entnommen zu haben, als zur direkten Verwertung vernünftig gewesen wären. Wer kennt das beschämende Gefühl nicht, einer für uns Fliegenfischern so begehrenswerte Kreatur, ein unwürdiges Ende bereitet zu haben? Glücklicherweise sind die Tage an denen man mehr fängt als man verzehren kann nicht die Regel sondern die Ausnahme. Und zum Glück lernen wir aus unseren Fehlern und handeln zukünftig bewusst, indem wir einen Fisch zurücksetzen, wenn wir Gründe dafür sehen, so zu handeln.

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Die Gründe für C&R sind für uns jedoch komplexer als lediglich zu entscheiden, ob man einen gefangenen Fisch essen möchte oder nicht! So setze ich Fische zurück, die in ihrer Kondition nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Aber auch ein gut- konditionierter Fisch, kommt schon mal wieder zurück wenn die Situation dies anbietet. Wohl ahnend dass dieser Fisch zu seiner Arterhaltung beitragen wird! Ein Tag am Wasser gewinnt für mich ungemein, der Natur und ihrer Kreatur den gebührenden Respekt zu zollen empfinde ich als selbstverständlich, ferner als sehr zufriedenstellenden Akt. Schließlich geht es uns Fliegenfischern doch um mehr, als darum unbedingt einen Fisch fürs Abendessen zu fangen (Sonst könnten wir auch einen Wurm ran hängen…)!

Besonders In der Lachs-Fliegenfischer Szene hat C&R in den vergangenen Jahren stark an Popularität hinzu gewonnen. IMGP0303Diejenigen die mit dem Thema vertraut sind wissen, dass die natürlichen Populationen von atlantischem Lachs, stark gefährdet sind und viele Lachs-Stämme vom Aussterben bedroht, oder bereits vollständig aus ihren Heimatflüssen verschwunden sind.

In den vergangenen Jahren haben viele von uns, den Rückgang der Populationen miterleben müssen. Die durchschnittlichen Saisonfänge bleiben an vielen Flüssen weit unter dem Schnitt vergangener Jahre. Viele Fliegenfischer haben sich im Zuge dessen, Gedanken über ihre eigenen Fangpolitik gemacht (auch wenn sie wohl nur einen kleinen Teil zu dieser Misere beigetragen haben) und C&R als Methode erkannt, einen Teil zur Arterhaltung beizusteuern.

Noch in den 90er Jahren war wenig über die Auswirkung von C&R IMGP0310bekannt. Außerdem sahen viele wohl auch keinen Anlass hierfür. Erst als sich die Situation auch für uns Fliegenfischer, durch verminderte Fänge und einhergehender Quotenerhebung oder gar generellen Fangverboten, drastisch bemerkbar machte, begannen sich viele Fliegenfischer mit diesem Thema auseinander zu setzen. Im folgenden begann man sich auch in der Forschung für dieses Thema zu interessieren, 1998 erschien die erste mir bekannte wissenschaftliche Arbeit von Tufts, Davidson und Bielak „Biological Implications of Catch and Release Angling of Atlantic Salmon“, rasch gefolgt von weiteren Studien. Aus Russland kam „Evaluation of the effects of catch-and-release angling on the Atlantic Salmon (Salmo Salar) on the Ponoi River, Kola Peninsular, Russian Federation” von  F.G. Whoriskey, S Prusov, S Crabbe, in Ecology of Freshwater Fish 2000.

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Viele von uns erkannten in diesem Zuge, wie wichtig diese Entscheidung einen Fisch zu releasen einmal werden könnte, um unseren Teil zur Erhaltung bedrohter Bestände beizusteuern. Zumal die o.g. Studien eindeutig bewiesen, dass eine Großzahl der C&R Lachse diese Prozedur überlebten, sich ferner innerhalb von 24h vollständig erholten und im Herbst am Leichgeschäft und somit auch ihrer Arterhaltung teilnehmen konnten. Erhöhte Parr-produktion steigert die Konkurrenz, so dass nur die fittesten überleben und damit die Basis für gesunde Bestände bilden. Dieser Umstand ist letzten Endes der Grund für unser Plädoyer, C&R zu praktizieren, vorausgesetzt die Situation lässt dies zu und der Fisch wird bei der Landung ordentlich behandelt (siehe Verhaltensrichtlinien für C&R). Priorität haben weibliche Fische, da Sie die Grundlage für den Nachwuchs in sich tragen…

Selbst wenn die Überlebensrate nicht 100% beträgt, ist dies kein Argument welches gegen C&R spricht. Im Gegenteil, nimmt ein entnommener Fisch zu 100% Sicherheit nicht am Laichgeschäft teil, während es die meisten zurückgesetzten jedoch schaffen!

Wenn man sich dazu entscheidet C&R zu Praktizieren sollte man einige Überlegungen darüber machen, wie ein Fisch möglichst schonend behandelt werden kann. Folgender Leitfaden kann dabei helfen, einen Fisch geringstem Stress auszusetzen, Verletzungen zu reduzieren und letztendlich die Überlebenschancen deutlich zu steigern!

IMGP03081. Generelles…

Man sollte bereits vor der Landung, besser bereits bevor man mit dem Fischen beginnt darüber nachdenken, ob man einen gefangenen Fisch evt. zurückgesetzt werden soll.

Der Angelplatz muss danach gewählt werden, ob hierzu Möglichkeiten bestehen!

2. Das Gerät…

Rutenklasse, Rollengröße, Tippetstärke und Hakengröße sollten dem zu erwartenden Fisch angemessen gewählt werden!

Die Überlebenschance wird maßgeblich von der Drillzeit bestimmt. Diese sollte also so kurz wie möglich gehalten _IGP1420werden, beim Drillen nicht rumspielen und angemessenen Druck ausüben. Seitlicher Druck kann die Drillzeit im Fluss erheblich verkürzen!

3. Die Landung…

Am besten löst man den Haken im Wasser, ohne den Fisch dabei anzufassen. Muss man den Fisch berühren, dann sollten die Hände vorher genässt werden. Ein Einzelhaken eignet sich besser als ein Mehrfachhaken, gegebenenfalls sollte der Widerhaken vorher angedrückt werden (siehe Punkt 1).

Beim „Beachen“ eignen sich ein Untergrund aus nassen Pflanzen eher als Sand oder Steine.

Benutzt man ein Netz, sollte dieses vorher wohl genässt P4010375werden und knotenlos sein.

Beim Schwanzwurzelgriff, darf der Fisch nicht aus dem Wasser gehoben werden. Will man ein Foto machen, sollte der Fisch mit der anderen Hand unterm Bauch stabilisiert werden und möglichst kurz angehoben werden. Ein Kiemengriff ist unter allen Umständen zu vermeiden!

Will man den Fisch messen, sollte kein Maßband verwendet werden. Ersten Dauert es zu lang und zweitens verletzt es evt. die Schleimschicht. Eine Markierung an der Rute kann ggf. als Größenvergleich dienen. Ist man sich unsicher, ob der Fisch das Mindestmaß erfüllt, ist er für mich zu klein und darf wieder Schwimmen!

Der Aufenthalt an der Luft sollte vermieden, bzw. möglichst kurz gehalten werden!

IMG_27434. Das Zurücksetzen…

Die Wasserbedingungen spielen eine entscheidende Rolle. Warmes Wasser ist für jeden Fisch kritisch und minimiert die Überlebenschancen im zunehmenden Maße (siehe Punkt 1)

In strömendem Wasser sollte der Fisch stromauf an Schwanz und Bauch stabilisiert gehalten werden. Gegebenenfalls mit den Fingern in die Maulspalte greifen und dieses leicht öffnen um den Wasserdurchfluss zu verbessern. Das oft praktizierte „hin und her schieben“ des Fisches ist nur in stillem Wasser zu empfehlen! Den Fisch sollte man erst dann schwimmen lassen wenn er dies aus eigener Kraft und mit starker Flossenbewegung tut!

Verletzte oder deutlich erschöpfte Fische sind in der Pfanne besser Aufgehoben…

5. Beweise Menschenverstand…

Wäge ab, wie die Chancen des Fisches stehen um zu entscheiden ob das Releasen Sinn hat!

Würde jeder von uns bewusst handeln, dann bräuchten wir keine Gesetze, die uns vorschreiben wie wir mit der Kreatur umzugehen haben!

Kolja 12KG

Wir hoffen, unseren Standpunkt verdeutlicht zu haben. Vielleicht konnten wir ja den einen oder anderen dazu bewegen, in Zukunft bewusster zu handeln. Und wenn durch diesen Text auch nur ein Fisch mehr releast wird, sehen wir dies als großen Erfolg um die Bestände nachhaltig zu sichern! Mit Sicherheit sind viele einer anderen Meinung, allerdings sollte ihnen bewusst sein, dass auch sie durch C&R profitieren…

“The finest gift you can give to any fisherman is to put a good fish back, and who knows if the fish that you caught isn’t someone else’s gift to you?” Lee Wulff

T.L

Mawill und Kolja

FlyOnly Pictures

3 Kommentare zu „Catch & Release“

  • Marco Eberhardt sagt:

    Moin Jungs,
    nach langer Überlegung möchte ich hier auch meine Meinung zu diesem wirklich absurden Thema niederschreiben. Sicherlich wird dieses Statement den Verfassern wenig gefallen, aber wer nun mal Tore schießt muss auch das ein oder andere mal einfangen können.
    Jetzt aber zum Thema ! Treten wir uns als Fliegenfischer nicht selbst in den Allerwertesten wenn wir indirekt zugeben, mit der Bestandsminderung auch nur Ansatzweise etwas zu tun zu haben. Das ist doch völlige Ironie! Jetzt sollen wir uns auch noch darum kümmern, die Welt zu retten.
    Wir geben also klein bei und signalisieren: ” Ja, wir waren es die den Atlantischen Lachs zerstört haben ! Und ab jetzt zeigen wir euch mal das es auch anders geht. Wir sind ja umweltbewußte Menschen. ”
    - Ein Sprichwort sagt: Es ist zu spät einen Brunnen zu graben, wenn der Durst brennt ! – ( das nur mal als Randbemerkung! )

    So, der Schuldige ist gefunden, sodaß der Rest weiter machen kann wie gehabt ( riesige Netzfischerei, schlecht kontrolierte Fangquoten, Verschmutzung der Weltmeere, Ausbeutung der Lebensräume, usw. ) Diese genannten Dinge stehen doch in Abhängigkeit von milliardenschweren, meist korrupten, politisch angagierten Menschen, denen es scheißegal ist, ob Du Deinen Fisch wieder schwimmen lässt oder nicht. In Sachen Umweltschutz sind alle Regierungen kriminelle Vereinigungen!

    Genauso verhält es sich bei der Mülltrennung in privaten Haushalten. In den 80er Jahren fiel der Politik plötzlich ein, das niedere Volk zur Mülltrennung zu verpflichten! -> damit man oben weiter machen kann wie bisher !! … der Schuldige war also gefunden!
    Wer jetzt nicht brav seinen gelben Sack an die Strasse bringt wird sofort geteert und gefedert. – Man hat ja auch so ein gutes Gefühl !!! – Das, glaube ich, nur ca. 10% des Plastikschrott wiederverwendet/aufbereitet wird interessiert ´eh niemanden. Der Rest landet demnach wieder im normalen Hausmüll! Super !!
    Nur mal so nebenbei bemerkt-> ich trenne meinen Müll !

    Nun zurück zum Thema. Ich traue mir nicht zu ein Urteil darüber zu fällen, ob das Tier nach beschriebener Tortur wirklich noch in der Lage ist seinem Laichgeschäft nach zu kommen. Wie kurz ist denn ein “kurzer Drill” ? Könnten wir den Lachs fragen wär das deutlich leichter! Geht aber nicht !!
    Das Resultat unserer eigens zugesprochenen Schuldzuweisung wird von Jahr zu Jahr deutlich spürbar. Man schränkt uns in der Ausübung unseres Hobbys ein. Fangbegrenzungen, sogar Sperrungen einiger Flüsse sind die Folge.
    Richtig ist, dass es auch Vollidioten am Wasser gibt, die es nicht verstehen Ihre Gier zu zügeln. Überhaupt keine Frage !!
    Aber wenn jemand ein- maximal zweimal im Jahr an einen Lachfluss kommt, den Fang nicht als Trophäe sondern als Genussmittel wahrnimmt, waidgerecht behandelt und mit nach Hause nimmt, stehe ich voll und ganz hinter dieser Einstellung !
    Genau zu diesen Menschen gehöre ich und deshalb zu guter Letzt folgendes:
    Sollte ich in Zukunft das Glück haben einen Lachs zu erbeuten, der augenscheinlich und eindeutig als Nahrung entnommen werden kann, werde ich dieses tun. Ich werde niemals mehr entnehmen als tatsächlich benötigt, aber der Lachs der von mir gefangen wurde, guckt kurze Zeit später kopfüber ins Gras.
    Im übrigen: -” Weniger Menschen wäre die beste Ökologie. Liebet euch aber vermehrt euch nicht. -”
    Weiter so …!
    Gruss Marco Eberhardt

  • kolja sagt:

    Hallo Marco,

    zuerst möchte ich Dir für diesen kritischen jedoch sehr fundiert geschildertem Kommentar zu diesem Thema danken…

    Ich bin, im Gegensatz zu Dir, jedoch nicht der Meinung, dass es sich bei C&R um ein „absurdes“ Thema handelt! Da Du dich genötigt fühlst deine Meinung zu äußern, bekundest Du dein generelles Interesse, für die Auseinandersetzung mit den hervorgebrachten Argumenten.

    Ich glaube nicht, dass wir Fliegenfischer durch diese Handlung (C&R), unsere Verantwortung für die aktuelle Situation eingestehen, im Gegenteil glaube ich, dass wir uns lediglich unserer Verantwortung bewusst werden sollten, mit der aktuell vorgefundenen Situation angemessen umzugehen!

    Ich stimme Dir absolut zu, wenn du schreibst, dass „der Rest (…) riesige Netzfischerei, schlecht kontrolierte Fangquoten, Verschmutzung der Weltmeere, Ausbeutung der Lebensräume, usw.“, für die Situation verantwortlich ist. Den meisten sollte klar sein, dass hier politische und finanzielle Interessen im Hintergrund stehen, die eine Abkehr von den derzeitigen Praktiken, aussichtslos erscheinen lassen! Und Ihnen ist vermutlich egal, wie der Angler mit dem was sie übrig lassen umgeht…

    Ein anderes Sprichwort sagt: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“ – (das nur mal als Randbemerkung!)

    Ich frage mich jedoch, ob wir unsere Verantwortung für den Erhalt bedrohter Bestände nun völlig von uns Schieben können, indem wir Anderen die Schuld für diese Misere zuschreiben!? Schließlich können wir unser Hobby nur so lange praktizieren, wie es überhaupt noch „nachhaltige“ Bestände gibt. Könntest du dir vorstellen, eines Tages nicht mehr auf Lachse fischen zu können, weil es vielleicht einfach keine mehr gibt?

    Wer die Situation an der Mörrum verfolgt, kann sich vorstellen, dass dies in gar nicht allzu langer Zeit möglich erscheint…

    Verstehe mich bitte nicht falsch! Natürlich gönne ich Dir und jedem anderen Lachsfischer seinen Fisch zu entnehmen und einen tollen Urlaub mit einem tollen Mahl zu krönen… Ich plädiere lediglich für ein angemessenen Umgang mit einer seltenen Ressource!

    Vielleicht können wir mit unserer Handlung ja ein Zeichen setzen, dass wir mit der Ausbeutung unserer Natur (durch den „Rest“)nicht einverstanden sind und somit als Beispiel vorangehen.

    Freundlicher Gruß,

    Kolja Veyhle

  • Moin…..

    Sicherlich sind wir nur zu einem sehr kleinen Teil schuld an der Geschichte, warumm aber nicht mit gutem Beispiel vorann gehen?

    Das Fische überleben und erfolgreich Laichen, ist bewiesen.

    Ein 10 kg gefärbtes, leichreifes Weibchen abzuschlagen ist fuer mich unüberlegt!

    Mawill

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