9.10.-15.10.2011 Saisonabschluss am River Dee

10-2011-Schottland-Dee-Cover

Inzwischen ist es doch noch winterlich geworden. Zu dieser Zeit denke ich oft an die Tage, die ich im letzten Jahr am Wasser verbringen konnte. Am Ende meiner Saison 2011, stand eine Woche Lachsfischen am River Dee an. Bis dato war es bereits eine außergewöhnliche Saison gewesen, mit vielen Fischen die ich niemals vergessen werde! Es ist jedoch diese Woche im Herbst, die ich im Nachhinein als mein Saison-Highlight betrachte. Natürlich auch wegen einiger Lachse, die ich in diesen Tagen landen konnte!

Bereits zu Saisonbeginn freute ich mich auf eine ganz besondere Fischerei in Schottland, auch wenn diese Woche im Herbst gleichbedeutend mit dem Ende der Saison sein würde. Am Dee ticken die Uhren halt irgendwie anders. Und damit meine ich nicht, dass man wohl nur hier im Oktober, eine derartige Fischerei der Extraklasse geboten bekommt… eine traditionsreiche Fischerei, die anderswo in Europa ihres Gleichen sucht!

Einen ersten Eindruck von dem was hier anders ist, bekommt man bereits während der Fahrt vom Flughafen Aberdeen in Richtung Highlands. In Großbritannien fährt man auf der anderen Straßenseite und es dauert schon einige Kilometer, bis man sich als Fahrer daran gewöhnt! Hat man diese erste Hürde genommen, geht der Weg entlang typisch Schottischer Länderein und durch verwinkelte Ortschaften, dessen Gebäude dem vorletzten Jahrhundert entsprungen zu scheinen. Bald kann man einen ersten Blick auf den Fluss und die fernen Highlands erhaschen. Nach ca. einer Stunde Fahrzeit sind wir am Potarch, stets unser erster Anlaufpunkt!

Unsere Ghillies Ian und Sean

Hier ist es so, wie man sich einen typisch schottischen Pub vorstellt, Fisch- und Jagdtrophäen zieren die Wände und im Kamin brennt stets ein knisterndes Feuer. Pub und Hotel liegen direkt am Fluss, ein geübter Werfer könnte von der Bar aus, den Fluss durchaus erreichen. Da die Anreise am Sonntag geschieht, haben wir genug Zeit für ein frisch gezapftes Guines, einen „homemade beefburger“ und einen Singlemalt, oder zwei…

Die Fischerei beginnt montags mit dem allmorgendlichen „meeting“, wo wir von den Ghillies letzte Infos über den Fluss und die Bedingungen erhalten. Etliche Male erwiesen sich ihre Tipps als Zünglein an der Wage, zwischen einem schönen und einem erfolgreichen Angeltag. Ich möchte die tolle Arbeit dieser außergewöhnlichen Menschen (Ian Fraser und Sean Stanton, ihr seit hiermit gemeint), wirklich nicht missen! Irgendwie schaffen es die Ghillies immer im richtigen Moment aufzutauchen. Sei es wenn man einmal Hilfe beim landen eines Fisches braucht, oder wenn man sich gerade über die beste Strategie an einem unbekannten Pool den Kopf zerbricht, oder aber wenn man ganz alleine im Pub sitzend das dringende Bedürfnis verspürt auf einen großen Fang an zu stoßen. Die Ghillies scheinen wirklich einen Riecher für die Interessen von uns Fliegenfischern zu haben und stehen stets mit Rat und Tat zur Verfügung! Zu den Ghillies am Dee später mehr.

Village Pool bei Sonnenaufgang

Endlich stehe ich wieder in den Fluten des Dee. Viele Fliegenfischer bezeichnen diesen Fluss als „Königin der Lachsflüsse“. Ich für meinen Teil frage mich, wie viel besser die Fischerei am König der Flüsse wohl sein kann… Meine Schnur fliegt über den Fluss und die Fliege landet in der Rinne am anderen Ufer. Die folgende Drift bringt zwar keinen Biss, trotzdem ist dieser Moment perfekt! Ich befische an diesem Morgen einen Pool in traumhafter Kulisse, weit und breit kein anderer Fischer in Sicht. Die Highlands im Rücken, fließt dieses Wasser durch eine traumhafte Landschaft aus Wiesen und Wäldern. Die Blätter an den Bäumen haben sich bereits gefärbt und lassen die schottische Natur in voller Pracht erscheinen. Vom gegenüberliegenden Ufer hallen die Rufe eines Fasans zu mir hinüber. Der Grund wofür ich eigentlich hergekommen bin, geriet in diesem Augenblick wirklich in den Hintergrund!

Mein erster Fisch - eine Meerforelle

Immer wieder zeigen sich Fische im Pool. Inzwischen habe ich meine Fliege zum dritten oder vierten Mal gewechselt, als ich auf eine „Stoats Tail“ in Hakengröße 12 meinen ersten Fisch haken kann. Nach kurzer aber heftiger Gegenwehr lande ich eine schöne Meerforelle, für mich ist der Fang einer Meerforelle im Fluss immer ein besonderes Ereignis, am Dee jedoch kein seltener Beifang. An diesem ersten Tag bekomme ich noch einige weitere zaghafte Kontakte, jedoch dauert es bis zum Abend als ich endlich meinen ersten Lachs dieses Urlaubs landen kann.

Ein großer Bock hat die Frances genommen

Die Fischerei gestaltet sich in den kommenden Tagen recht schwierig. Der Wasserstand viel auf ein niedriges Nivea und zudem blieb es nachts einfach zu warm. Zeitweise mussten wir Fliegenmuster in wirklich kleinen Größen (bis 14) wählen, um überhaupt mal einen Kontakt zu erhalten. Es gab nur eine Fliege, auf die diese Regel nicht zu zutreffen schien, die „Red Frances“. Ich vermute Lachse hassen diese Fliege! Oder wie ist es sonst zu erklären, dass alle anderen Fliegen zeitweise komplett ignoriert werden, ehe man auf eine Frances wechselt und diese dann, unmittelbar und oft sehr vehement, attackiert wird. Ein Phänomen welches wir übrigens auch schon an anderen Flüssen beobachtet haben! Es war eben diese rote Fliege, die mir den Größten Fisch dieses Trips bringen sollte, ein Milchner irgendwo bei 20lbs. An diesem Vormittag fischte ich einen Abschnitt zusammen mit Mawill, der innerhalb kurzer Zeit 3 Fische auf eine große Frances landete und zusätzlich noch zu mind. doppelt so vielen Fischen Kontakt hatte. Ich fischte zu diesem Zeitpunkt ein sehr kleines Muster und war damit deutlich schlechter beraten. Nach dem mir Mawill jedoch von der Action die er gerade erlebt hatte berichtete, gab es kein halten mehr, bis zum Mittag konnte auch ich vier Lachse landen, darunter jener besagte Fisch.

Ein Drill auf biegen und brechen! Das Ergebnis mind. 20 lbs...

Wie immer vergingen die Tage auch dieses Mal viel zu schnell. Jedoch stand uns noch ein letztes Highlight bevor, ehe wir am Sonntag wieder nach Hause flogen. Am Abend unseres letzten Angeltages, welcher gleichzeitig der letzte Tag der Saison am Dee war, wurde ein Dinner zu ehren der Ghillies abgehalten. Als Ehrengast und Redner war Orri Vigfússon, Gründer und Vorsitzender des North Atlantic Salmon Fund (NASF) eingeladen. Für mich war es das erste Mal, dass ich Orri über die Probleme wilder Lachsbestände und die Lösungsansätze des NASF referieren hörte, wirklich sehr beeindruckend was diese Organisation für den Erhalt der Lachsbestände weltweit tut! Es war wieder einmal eine Erinnerung daran, wie fragil es um das Gut Atlantischer Lachs derzeit bestellt ist und wie bewusst wir Fliegenfischer damit umgehen müssen.

Orri und die FlyOnly-Boys

Party zu Ehren der Ghillies am Dee

Doch nun zurück zu den Ghillies. Viele waren gekommen um einem von Ihnen in den Ruhestand zu verabschieden, David Cowie hat seine Arbeit als Head-Ghillie nach mehr als 25 Jahren an den Ufern des traditionsreichen Beat „Carinton“ beendet. Und wenn das jetzt mal kein Grund ist, gepflegt einen zu Trinken, dann weiß ich auch nicht weiter… Der Abend wurde lang, es ergaben sich viele interessante Gespräche und Freundschaften wurden begossen. Zu späterer Stunde wurde dann musiziert und getanzt, wenn ich mich recht entsinne, dementsprechend gerädert traten wir am nächsten Morgen unsere Heimreise an. Als die Kopfschmerzen endlich gingen blieb mir ein Gefühl, eine ganz besondere Woche in Schottland erlebt zu haben!

 

Tight Lines,

Kolja