27.07.-06.08.2012 Lachsfischen am Mandalselva

2012-07-Norwegen-Mandalselva-cover

Ende Juli war es wieder einmal soweit. Seit Wochen freute ich mich auf meinen alljährlichen Lachs-Trip an diesen südnorwegischen Fluss. Nach den gemischten Erfahrungen der letzten Jahre war ich sehr gespannt, was der Mandalselva in diesem Jahr für uns bereit hielt.

Mit unserem Vermieter wurde im Vorfeld vereinbart, dass wir bereits am Freitag in der Nacht anreisen und unser Ferienhaus beziehen wollten. Und nun standen Jöran und ich um 2 Uhr morgens, mit vollgepacktem Pkw vor verschlossenen Türen und wussten nicht so recht ob wir darüber lachen oder weinen sollten… So verbrachten wir die erste Nacht erstmal in unseren Schlafsäcken unter dem Vordach des Marnar-Laksesenter.

Lene, die Managerin des Laksesenters, rettete unseren ersten Morgen mit einem starken Kaffe. So standen wir dann gegen Mittag zum ersten Mal am Wasser. Hier und da konnten wir einige Fische ausmachen, die Aktivität hielt sich jedoch in Grenzen. In den vergangenen Tagen hatte es wenig geregnet und der Wasserstand war im Vergleich zu den letzten Malen recht niedrig – ca. 30m³. Dieser Wasserstand ist am Mandal jedoch perfekt für die leichte Zweihandfischerei geeignet. Dementsprechend hoch waren unsere Erwartungen.

Jöran im Drill

Es dauerte bis zum nächsten Tag als Jöran den ersten Fisch landen konnte. Wir waren früh aufgestanden und stellten mit Ernüchterung festst, dass auch in diesem Jahr wieder sehr viele Angler, ihren Weg an den Mandal gefunden hatten. An den bekannten Pools herrschte bereits früh am Morgen reges Treiben, wie über den gesamten Zeitraum unseres Aufenthalts hinweg. Irgendwie verspürten wir wenig Lust, uns in die Reihe der Wartenden einzureihen und fischten in den kommenden Tagen immer wieder diejenigen Strecken, die weniger stark frequentiert wurden. Hier konnte Jöran gegen Mittag gleich zwei Fische kurz hintereinander aus einem kleinen Pool mit Steilhang im Rücken picken. Was für ein Auftakt!

Jöran mit Mandal-Lachs

Bis Dato hatten wir recht kleine Fliegen in bedeckten Farben gefischt. Nachdem Jöran bei seinem ersten Durchgang durch den besagten Pool einige Aktivität beobachten konnte, jedoch nichts an der Fliege spürte, war es ein „Kunstgriff“ der ihm in den folgenden Durchgängen seine Fische ans Band brachte. Jöran wechselte auf eine große, auffällige und recht schwere Tube die er dann direkt am Standplatz eines Fisches präsentierte, eine Taktik die ihm bereits des Öfteren den einen oder anderen Fisch beschert hat! Es dauerte nur wenige Würfe bis er plötzlich mit krummer Rute und breitem Grinsen im Gesicht da stand.

Dieser Fisch nahm eine kleine Silver Stoats Tail

Nachdem der Anfang gemacht war konnte ich am folgenden Tag meinen ersten Fisch landen. Der Wasserstand  war weiter gefallen, dementsprechend klein fischte ich meine Fliegen. In den vergangenen Jahren hatte ich immer wieder einen kleinen Pool im Blick, der bei hohem Wasserstand jedoch einfach nicht zu befischen war. Jetzt war der Wasserstand jedoch perfekt. Ich fischte eine „Silver Stoats Tail“ in Größe 11, als ich im Poolauslauf einen zaghaften Zupfer spürte. Noch bevor ich darüber nachdenken konnte ob es wirklich ein Biss war, buckelte an eben jener Stelle ein Lachs und ich bekam Zug auf die Schnur. Nach einem kurzen aber heftigen Drill, indem sich der Fisch einige Male aus dem Wasser schraubte, konnte ich ihn auf die Kiesbank dirigieren. Meerläuse zeugten davon, dass dieser Fisch erst vor kurzem aufgestiegen war. Der Fisch war perfekt für die Küche und sollte uns in den nächsten Tagen als Graved Lachs schmecken.

Während des Drills hatte ich einen großen Fisch im Pool springen sehen, der sich durch den Trubel des Drills aus der Ruhe bringen lassen hatte. Ich machte einen zweiten Gang und diesmal bekam ich einen heftigen Biss im Einlauf. Der Fisch zog danach zielstrebig in den tiefsten Teil des Pools und schnell wurde klar, dass dieser größer war. Im folgenden Drill verlangte mir der Fisch alles ab, was das leichte Gerät zu bieten hatte. Nun lag ein Bock von ca. 7 kg im seichten Wasser vor mir, wie der erste silberblank und mit Meerläusen behaftet. Für mich stand fest, dass dieser Fisch wieder schwimmen sollte, schließlich hatte ich schon einen schönen Küchenfisch entnommen. Diesen tollen Fisch nun langsam in den Pool zurück schwimmen zu sehen, machte den Moment perfekt!

Ein Traumfisch… nicht nur für Mandalverhältnisse

In den kommenden Tagen viel der Wasserstand weiter. Trotz gelegentlicher Regenschauer blieb die Fischerei irgendwie zäh. Die vielen Angler konzentrierten sich demzufolge noch stärker auf die wenigen Pools, in denen die Fliege noch Zug hatte. Auch wir ließen uns hin und wieder dazu hinreißen dort zu fischen.

An einem Morgen kamen wir an einen dieser begehrten Pools und freuten uns endlich einmal keinen vor uns zu haben. So standen wir also am Rand und besprachen die Taktik wie wir vorgehen wollten. Plötzlich kämpfte sich hinter uns ein Fliegenfischer durchs Unterholz. Als er sich von den Ästen befreit hatte ging er ohne Gruß, geschweige denn uns mit einem Blick zu würdigen, schnurstracks etwa zwei Meter an uns vorbei und sprang ins Wasser. Ehrlich gesagt war ich von dieser absurden Situation so überrascht, dass es einige Sekunden dauerte bis ich ihn höflich darauf hinwies, dass wir gerade mit dem Fischen beginnen wollten. Obwohl ich ihn in Englisch ansprach, mussten wir in den folgenden Minuten übelste verbale Angriffe über uns ergehen lassen, wohlgemerkt in deutscher Sprache – Ich verstehe bis heute nicht, was diesen Typen dazu geritten hat so auszurasten!

Dieses Beispiel ist jedoch Sinnbildhaft für das Verhalten einiger weniger Angler, wie wir es in der Vergangenheit bereits häufiger erleben mussten. Rücksicht auf andere zu nehmen ist halt nicht jedermanns Sache! Über die Jahre hinweg habe ich einige norwegische Fliegenfischer kennengelernt, die ganzschön genervt auf die vielen Angeltouristen reagieren. Leider gibt es unter uns immer wieder schwarze Schafe, die sich einfach nicht an Regeln halten. Diejenigen schädigen somit den Ruf von allen anderen!

Um auf das eben geschilderte Erlebnis zurückzukommen; der Kollege sah sein Fehlverhalten allem Anschein nach ein und verließ das Schlachtfeld, jedoch nicht ohne weiter zu schimpfen und wie wild zu gestikulieren. Auf diesen Schreck brauchte ich erstmal einen Kaffee und eine Zigarette. So beobachtete ich Jöran bei seinen Durchgang. Ich hatte noch nicht aufgeraucht, als ich einen anderen Fliegenfischer ans gegenüberliegenden Ufer kommen sah. Irgendwie ahnte ich bereits was jetzt kommen würde. Der Typ stampfte ca. 15 Meter unterhalb von Jöran ins Wasser und war erst zufrieden als er bis zu den Brustwarzen im Fluss stand. Der Wasserstand war inzwischen so niedrig, dass ich wirklich glaube, er hatte das tiefste Loch im ganzen Pool gefunden. Von seinem Standpunkt aus begann er die Leine klar zu machen und das flache Wasser auf unserer Seite abzufischen.

Viele Lachsfischer waten zu tief, nicht nur am Mandal. Einmal beobachtete ich wie ein Lachs zwischen Angler und Ufer buckelte! Dieser Kollege bemerkte nichts weil er so sehr damit beschäftigt war seine Fliege möglichst weit an das andere Ufer zu werfen. So nach dem Motto – Wathose und die neue 14-Fuß Rute müssen ja zu was gut sein… Als ich dann meinen Durchgang machte, konnte ich einen Fisch an eben jener Stelle haken. Das Wasser war hier sicher nicht tiefer als bis zur Hüfte. Meine meisten Lachse habe ich eher mittig oder nah am eigenen Ufer drauf bekommen, eine Chance die sich viele Fischer jedoch durch zu tiefes Waten nehmen! Nach meinen Erfahrungen sollte man bei Niedrigwasser möglichst gar nicht ins Wasser steigen oder zumindest mit viel Bedacht waten. Fische bemerken mehr von unserer Anwesenheit als viele Angler es sich vorstellen. Die Fischerei unter solchen Bedingungen kann man mit der Forellenpirsch vergleichen – wer vorsichtig agiert ist klar im Vorteil. Zudem erhält der nachfolgende Fischer somit ebenfalls die Möglichkeit einen Fisch anzufischen, der nicht bereits vertrampelt wurde!

Ein traumhafter Pool liegt vor uns

Dieser Fisch nahm eine große Tube an der Sinktip

In den kommenden Tagen beschränkten wir uns wieder auf die weniger beliebten Strecken. Trotzdem blieb die Fischerei den Bedingungen geschuldet, recht schwierig. Es war nicht so, dass es gar nicht regnete. Jedoch wurden einige Arbeiten am Kraftwerk durchgeführt, die eigentlich schon im letzten Jahr abgeschlossen sein sollten, wegen des hohen Wasserstands jedoch verschoben wurden. So hatten wir auch weiterhin mit sehr niedrigen Wasserständen zu kämpfen.

Catch and Release wird am Mandal selten praktiziert

Ausreichend Fische waren zwar im Fluss, es war einfach schwer sie ans Band zu bekommen. Ich fische bei solchen Bedingungen, der Regel entsprechend meist sehr kleine Fliegen an der Schwimmschnur. Eine Taktik, die ich bei Niedrigwasser und träger Fischerei häufig ausprobiere, widerspricht dieser Regel jedoch. So wechsele ich bei Niedrigwasser gerne auf eine Sinktip (F/S3) und eine recht große unbeschwerte Tube mit wenig Flash. Diese Kombination wird dann quer zur Strömung (90°) oder gerne auch mal stärker gewinkelt. Durch den Sinktip kommt die Fliege auf Tiefe, wenn sie ans eigene Ufer schwingt nimmt sie dann ordentlich Fahrt auf. Es ist wichtig eine unbeschwerte Tube anzuknoten, damit diese nicht an Steinen zum eigenen Ufer hin hängen bleibt. Denn genau hier kommen die Bisse, wenn die Fliege mit high-speed auf einen Standplatz zutreibt. Mann kann die Geschwindigkeit sogar durch leichtes Einstrippen erhöhen, denn die Fliege kann gar nicht zu schnell für einen Lachs sein.

Diese Technik brachte mir auch in diesem Jahr wieder ein paar Fische. Somit hatten wir bei den vorgefundenen Bedingungen unsere Fische nun schon auf drei verschiedene Art und Weisen gefangen. Gerade wenn es schwierig ist und nur wenige Fische gefangen werden, lohnt es sich in jedem Fall auch mal die Regeln zu vergessen und etwas anderes auszuprobieren. Denn Lachse kennen diese Regeln nicht!

Im nächsten Jahr fahre ich wieder an den Mandal. Dann jedoch schon im Juni und mit der Hoffnung dem größten Ansturm zu entgehen…

Tight Lines,

Kolja