15.08.–31.08.2009 Lachsfischen am Mandalselva

Wir erlebten in dieser Saison eine schwierige Fischerei am Mandal… Der regnerische norwegische Sommer ließ den Fluss im Juli und August oft wie ein „Jo-Jo“ steigen und fallen. Die Wasserführung war in dieser Periode häufig zwischen 70 und 100m³/sec und einige Male stieg der Fluss auf über 200m³/sec an. Wer den Mandal kennt, weiß wie schwierig sich die Fischerei bei diesen Wasserständen gestalten kann. Dementsprechend schwer sollte es uns fallen, mit den Verhältnissen um zu gehen…

Die Saison 2009 brachte am Mandal ca. 1850 Lachse mit einem Gesamtgewicht von etwa 5200 kg (stand 27.9). Damit ist diese Saison die schlechteste der letzten zehn Jahre und übertrifft sogar die Saison 2007, die die zweifelhafte Auszeichnung bekam, die schlechteste des Jahrtausends gewesen zu sein!

Statistik über Lachsfänge der vergangenen Jahre

Es liegt in unserer Natur, sobald wir Auswirkungen am eigenen Leib erfahren, nach deren Gründen zu suchen… Unumstritten für die Verschlechterung der Lebensbedingungen von Lachsen des „Nordatlantikstammes“, ist die globale (Wasser-) Erwärmung in Kombination mit der Überfischung von Beutetieren in allen Weltmeeren, die Verbauung von Wanderwegen durch die Begleiterscheinungen der Urbanisierung und der systematischen Errichtung von Lachsfarmen. Diese tragen durch den Einsatz von Chemikalien und als Brutstätte von Krankheitserregern und Parasiten (z.B. der Lachslaus), unweigerlich zur Verschärfung der Situation bei. Ganz zu schweigen vom Holzeinschlag, der kontinuierlichen Eintrag von Sedimenten in unsere Flüsse beding, welche zum versanden der Laichgebiete führen. Der gebietsweise, massive Befischungsdruck durch Netze von Nebenerwerbsfischern, entlang der Laichwanderwege, und nicht zuletzt auch die jahrelange unzureichende C&R-Politik von Anglern, haben zur derzeitigen Situation beigetragen!

Auch wenn in den letzten Jahren u.a. durch den Aufkauf von Lachsfanglizenzen, Einschränkungen und verschärfte Kontrolle in den Aquakulturen und der Einführung von Fangbegrenzungen an vielen Flüssen, viel für die Verbesserung der Aufstiegsbedingungen von Lachsen unternommen wurde, gilt es doch noch einiges zu tun.

Ob es in den kommenden Jahren weitere Einschränkungen, auf Grund der diesjährigen Fangzahlen am Mandal geben wird, bleibt abzuwarten…

Der Haugefossen - viele behaupten, dass die Lachse Schwierigkeiten haben dieses Hindernis zu überwinden

Am Mandal halten sich seit Jahren hartnäckige Gerüchte darüber, dass die Lachse Schwierigkeiten haben, den Haugefossen zu überwinden, insbesondere bei höheren Wasserständen (unabhängig von der Wassertemperatur, wie es sonst üblich ist). Dies erscheint auf den ersten Blick recht ungewöhnlich. Unser Vermieter erzählte uns dieses Jahr, dass die Landbesitzer am Mandal (zumindest diejenigen die sich zur Zone 3 zusammengeschlossen haben) sehr unzufrieden mit dem Landbesitzer am Haugefossen sein. Angeblich soll dieser, durch das einbringen von Steinen und Brettern in den Wasserfall, die Aufstiegsmöglichkeiten erschwert haben… Wir konnten in den letzten Jahren jedoch bei unterschiedlichsten Wasserständen, die Lachse beim Überwinden dieses Hindernisses beobachten! Trotzdem tut es schon ein

Die Zone 3 - tolle Pools - hier findet mann immer Platz um ungestört zu fischen

wenig weh, wenn man zusehen muss, wie die Wurmfischer am Haugefossen, einen Lachs nach dem anderen herausziehen (teilweise sind diese deutlich von außen gehakt), während sich hier die Fische stapeln, passiert in der oberhalb gelegenen Zone3, zeitweise recht wenig.

Um die Spekulationen nicht weiter zu treiben, möchte ich hier kurz meine Meinung zur Situation äußern. Ich glaube, dass am Mandal genügend Fische in die Zone3 einwandern!  In dieser Saison haben die Fische vermutlich die wechselnden Wasserstände im Juli und August genutzt, um bis in die Zone4 zu wandern. Wir konnten  in vielen Pools Standfische beobachten,  leider zeigten diese jedoch wenig Interesse an unseren Fliegen. Vermutlich kamen einfach zu wenig frische Fische nach, um die residenten Fische in Bedrängnis zu bringen.

Der Cablepool am Morgen

Allerdings glaube ich, dass die relativ niedrigen Fangzahlen der vergangenen Saison, nicht nur auf die vermeintlich suboptimalen Wetter- und Wasserbedingungen zu schieben sind… immerhin hat unser guter Freund Lars, mit seiner vierköpfigen Truppe, innerhalb von zwei Augustwochen, mehr als 20 Fische landen können und einige weitere gingen ihnen im Drill verloren! Dieses Beispiel zeigt, dass sich Erfahrung und Gewässerkenntnis auszahlen! Am Mandal kann man so, auch in einer vermeintlich schlechten Saison, jeder Zeit gute Fänge erzielen.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch bemerken, dass man die Fangzahlen auch immer in Verbindung mit der Anzahl tatsächlich fischender Lachsangler betrachten muss. Egal mit wem wir sprachen, alle waren sich einig… während der vergangenen Saison waren nur selten viele Fischer am Fluss! In unseren beiden Wochen, waren nur die leicht zugängigen Pools „stärker“ frequentiert, wen es nicht stört auch mal ein paar Schritte zu laufen, fischte fast überall relativ ungestört. Als wir einige Tage an der Hedeland-Strecke fischten trafen wir fast niemanden (was wiederum zu den Spekulationen beitragen könnte, dass sich diese Strecke in den kommenden Jahren wieder in die Zone3 eingliedern könnte…. Ups!).

Am Mandalselva wird der Aufstieg anadromer Fischarten, seit Anfang dieser Saison, mittels Sonar überwacht. Die neue Anlage wurde in der Region Holum, in Zone 2 errichtet. Sie ist Teil eines nationalen Pilotprojekts, welches unter der Schirmherrschaft des „Norwegischen Instituts für Naturforschung“ (NINA) durchgeführt wird. Die Verantwortlichen erhoffen sich, durch neue Methoden der Fischüberwachung, Erfahrung über das Migrationsverhalten der Salmoniden an diesem Fluss zu erhalten, die sich dann möglicher Weise auch auf andere Flüsse übertragen lassen.

Um mit Gewissheit sagen zu können, ob in dieser Saison nun wenig Lachse aufgestiegen sind oder ob diejenigen die aufstiegen, schnell durchgezogen sind oder ob die Fische vielleicht erst nach Saisonende aufsteigen, oder, oder… müssen wir wohl auf die Veröffentlichung der Zahlen durch NINA warten!

Erste Erkenntnisse über das Verhalten der aufsteigenden Salmoniden wurden bereits veröffentlicht. So registrierte das Sonar während einer Testphase im Juli, innerhalb von 12 Stunden, ca. 100 Fische auf dem Weg nach oben und 40 auf dem Weg nach unten (dieses Verhalten ist durchaus nicht ungewöhnlich, da Lachse häufig auf und ab wandern, ehe sie den „günstigsten“ Weg für ihren Aufstieg finden, bzw. auf günstigen Wasserstand warten). Unter anderem wurde ein Schwarm von sieben bis acht Fischen registriert, der den Zählerbereich mehrmals in beide Richtungen passierte! Allerdings wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis die Daten genauer analysieret wurden und genauere Aussagen über den diesjährigen Aufstieg, und evt. auch über die Größe der passierenden Fische, getroffen werden können. Wir sind gespannt und werden neue Infos schnellst möglich veröffentlichen!

 

Mawill beim Desinfizieren

Zu unserem diesjährigen Lachstrip:

Dieses Jahr hatten wir zwei Wochen am Mandal gebucht. Werner und Micha waren aus Österreich angereist, Mawill der eigentlich mit mir an der Gaula fischen wollte, sich aber kurz vorher den Fuß gebrochen hatte, reiste mit seiner Freundin an. Jonas wollte seine „ersten Schritte“ mit der Zweihand machen und war inklusive Freundin und Kameraequipment mit dabei. Und ich kam direkt von der Gaula, wo ich bereits 10 Tage gefischt habe.

Wir waren also ein recht bunter Haufen… Werner und Micha waren natürlich heiß aufs Fischen, Mawill mit Sicherheit auch, leider passte seine Gipsschiene nicht in die Watschuhe, trotz aufgeschnittener Sohle (so wie ich Mawill kenne hätte er sogar den Füßling seiner Wathose abgeschnitten um von Anfang an mit am Fluss stehen zu können)! Leider konnte er somit erst gegen Mitte der zweiten Woche, erste ernsthafte Angriffe starten und darum außer einiger zaghafter Anfasser, bei gelinde gesagt besch…eidenen Wetterbedingungen, nicht mehr verbuchen. Micha hingegen, war von Anfang an dabei. Er fischte nach einem Jahr Abstinenz vom Zweihandfischen, bereits nach kurzer zeit sehr gründlich und ich war mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis er seinen ersten Atlantiklachs überlisten würde. Zunächst war ich jedoch an der Reihe. Vielleicht war es die

Werner beim Werfen

Routine und Gelassenheit, mit der ich nach 10 Tagen Gaula an die Sache heran ging. Am zweiten Tag, nachdem der Wasserstand nach heftigen Regenfällen gestiegen war, konnte ich morgens einen Grils von ca. 2kg im Fuglestveit-Pool landen. Als wir am Abend erneut angriffen dauerte es wieder nur ein paar Würfe, bis ich den zweiten Fisch des Tages im Kabel-Pool landen, und meine Tagesquote damit füllen konnte. Manchmal kann Lachsfischen so einfach sein!

Und manchmal fischt man Tage- oder gar Wochenlang, ohne Kontakt und ohne wirklich zu wissen was man eigentlich falsch macht. Und wenn sich plötzlich Erfolg einstellt, weiß man dann meist gar nicht, was man richtig gemacht hat! In meinem Fall war es eine 10cm große Sunray-Shadow die den Unterschied machte, denn normaler Weise wird am Mandal (zumindest dann, wenn es die Bedingungen zulassen), überwiegend mit relativ kleinen Fliegen gefischt. Nachdem ich an der Gaula bereits Glück hatte und jetzt auch am Mandal meine ersten Fische eintragen konnte, ließ ich es erst mal ruhiger angehen. In den kommenden Tagen stand Pilze sammeln und  im Fokus, außerdem stand ich nun einige male mit Jonas am Fluss, der seine ersten „Gehversuche“ mit der Zweihand machte. Ich habe selten jemanden gesehen, der nach so kurzer Zeit eine Zweihandrute kontrollieren kann, wie es bei Jonas der Fall war!

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Michas erster Mandal-Lachs

Werner mit Lachs - für den Mandal ein kapitaler Fisch

Als wir zwei Tage später eine Morgenschicht am Fuglestveit einlegten, meinte Werner nochmals zum Kabelpool zu gehen, so dass Jonas mit mir ungestört üben konnte. Als wir ihn dann bereits nach einer Stunde zurückkommen sahen, bemerkten wir schnell einen Fisch der über seine Schulter hing. Es handelte sich um ein 8,8kg schweres Weibchen, welches Werner nach einem harten Drill inklusive einer sich schwierig gestaltender Landung (schließlich war er alleine am Pool) entnehmen musste. Bei der Fliege handelte es sich wieder um eine große Sunray, die der Fisch mit einer solchen Vehemenz genommen hatte, dass der Haken im hinteren Kiemenbogen saß. Der Fisch blutete und war vom Drill Volkommen erschöpft, ans Releasen war somit nicht mehr zu denken!

Trotz gebrochenem Fuß ist Mawill voll dabei

Die folgenden Tage gestalteten sich äußerst schwierig. Regen, Wind und kaltes Wetter machten die Fischerei zeitweise zu einer zähen Veranstaltung. Trotzdem gelang es Micha, ein gefärbtes Männchen von 2,5kg im Finsadal zu landen. Nachdem er im letzten Jahr bereits Schneider geblieben war, gönnte ich ihm den Fisch sehr! Die Fliege, natürlich eine Sunray-Shadow…

Mawills Fuß wurde kontinuierlich besser, so dass er zumindest die letzten Tage einige Pools, an denen es mit dem Laufen nicht zu kompliziert war, befischen konnte. Er konnte einige vorsichtige Zupfer registrieren, leider gelang es ihm jedoch nicht, einen der Bisse zu verwerten. Auch bei mir passierte lange nichts, bis ich mich am vorletzten Tag alleine auf der Hedelandstrecke herumtrieb. Am Pool

Verdiente Pause am Fuglestveit Pool

oberhalb der Eisenbahnbrücke konnte ich auf einmal Aktion im Pool beobachten. Innerhalb weniger Minuten sah ich mehrere Lachse. Beim ersten Durchgang bekam ich einen sanften Biss auf eine kleine Ally’s Shrimp. Der Fisch stand direkt am Ufer und ich hatte erst etwas mehr als das Vorfach draußen als der Biss kam, so konnte sich der Fisch dann schnell vom haken lösen, als er mit einer schnellen Flucht reagierte. Beim zweiten Durchgang hatte ich wieder auf die Sunray gewechselt, als die Fliege nach einem weiten Wurf, kurz vor dem anderen Ufer auf der Wasseroberfläche landete, ehe sie unmittelbar in einem Schwall verschwand! Der Fisch ließ mir keine Zeit zu reagieren und flüchtete stromab. Die Rutenspitze neigte sich immer stärker Richtung Wasseroberfläche und während ich mich noch wunderte warum meine Bremse nicht los ging hatte der Fisch mein Vorfach (35er!) bereits gesprengt. Ganzschön verdattert registrierte ich, dass sich die Runningline in einer Schlaufe um den Kurbelknauf gelegt hatte und somit die Bremse blockierte. Das ist Lachsfischen…

Zur Fischerei am Mandal:

Der Mandal ist mir in den vergangenen Jahren sehr ans Herz gewachsen. Ich habe an diesem Fluss das erste Mal auf Lachs gefischt und einige Jahre später dort auch meinen ersten Lachs gefangen. Somit bedeutet mir dieser Fluss

Die Hedeland-Strecke, in dieser Saison benötigt man hier eine extra Karte

wirklich viel! In der Zwischenzeit musste ich wie viele andere, einiges an Lehrgeld zahlen. Wer sich jedoch nicht von schlechten Fangzahlen dieser Saison und den zahlreich kursierenden Gerüchten abschrecken lässt, erlebt am Mandal eine außergewöhnliche Fischerei in traumhafter Natur. Und schlechte Bedingungen kann man überall erleben, dass passiert nicht nur an Flüssen, an denen die Tageskarte wie am Mandal nur 15EUR kostet! Wer auf Große Fische aus ist, ist am Mandal falsch, die Durchschnittsgröße liegt bei ca. 3kg, dafür kann man hier schon mal sein Limit erfüllen. Um einen schönen Urlaub mit realistischen Fangchancen zu erleben, kann ich dieses Gewässer wirklich jedem empfehlen!

Hier geht es zur Fliegenbox

Tight Lines,
Kolja