15.07.-22.07.2011 Beiarelva, Lachsfischen am Polarkreis

07-2011-Norwegen-Beiarn-cover

Ein atemberaubender Anblick offenbarte sich, als wir den letzten Pass der Nebenstraße überquerten. Bis zu diesem Punkt hatten wir fast 24 stunden Autofahrt hinter uns, die uns jedoch mit vielen tollen Einblicken in den arktischen Norden entschädigte! Endlich lag unser Ziel nun vor uns… Dort unten im Tal schlängelte sich der Beiarn, mit seinem so typischen  flaschengrünen Wasser, durch eine Gebirgslandschaft aus schneebedeckten Bergen, schroffen Felswänden, Kiefernwäldern und saftig grünen Wiesen.

Der Wasserstand war bei unser Ankunft recht hoch und zudem noch leicht von den letzten Niederschlägen eingetrübt, bis auf weiteres war allerdings kein weiterer Regen angekündigt. Die Wettervorhersage für diesen recht dünn besiedelten Teil Nordlands, ist jedoch nicht immer ganz genau, das mussten wir bereits im letzten Jahr erkennen. Damals fragte ich im ortsansässigen Angelgeschäft nach der Vorhersage… Der Typ hinterm Tresen, allem Anschein nach ein erfahrener Beiarnfischer, guckte daraufhin aus dem Fenster und erklärte mir, dass es momentan regnen würde. Soviel gab er also auf jegliche Vorhersagen für diese Region.

Mitternacht und trotzdem hell

Die nächsten beiden Tage hielten zunächst was die Vorhersage versprach und der Pegel sank. Wir fischten in diesen Tagen die unteren Strecken, wo wir viele frisch aufsteigende Fische ausmachen konnten. Anscheinend war der Aufstieg in diesem Jahr erst recht spät richtig in Gang gekommen, die oberen Strecken meldeten bis Dato noch verhältnismäßig geringe Fänge… Auf den von uns befischten Strecken wurde unterdessen ganz passabel gefangen! Mirko und ich wurden einige Male Zeugen, wie die Anglerkollegen Fische auf ihre Blinker haken und fangen konnten. Nur blieben unsere Fliegen unbeachtet. Diese unteren Flussabschnitte werden von der Tide beeinflusst. So ziehen die Fische nach dem Scheitelpunkt häufig recht schnell durch, um sich dann in den Mittleren Abschnitten ein erstes mal länger einzustellen. Trotzdem bieten diese Abschnitte wenn bei Flut die Fische zu ziehen beginnen, tolle Möglichkeiten auf absolut frische Fische!

Am Beiarn gibt es keine reinen Flyonly abschnitte. Traditionell wird hier viel mit Blinker und Wurm gefischt, gerade an den unteren Strecken ist man als Fliegenfischer deutlich in der Minderheit! Trotzdem muss ich sagen, dass es nie zu größeren Problemen gekommen ist, da die Regeln von allen Fischern befolgt werden. Außerdem ist der Befischungsdruck an diesem Fluss, da recht abgelegen, eher gering. Trotzdem freuten wir uns, wenn wir endlich mal einen Pool, ganz für uns alleine hatten und nicht von irgendwo ein Blinker angeflogen kam.

Casting, Casting, Casting,... and Casting

Weder bei Mirko noch bei mir tat sich in diesen Tagen etwas. Inzwischen war der Wasserstand so niedrig, dass die Fänge deutlich abnahmen. Viele Fische waren inzwischen durchmarschiert und es kam kaum etwas nach. Wir brauchten Regen, damit wieder etwas Bewegung in die Pools kommt! Der morgendliche Wettercheck aus dem Fenster ließ keinen Zweifel. Entgegen der Vorhersage regnete es nun in Strömen, abgesehen von kurzen Pausen fast zwei Tage durchgängig. Regen wirkt sich am Beiarn sehr deutlich auf den Wasserstand aus. Da dieser Fluss unreguliert fliest, steigt das Wasser nach solchen Schauern sehr schnell. Sofort konnten wir wieder Bewegung im Fluss beobachten, nur leider stieg der Fluss zu schnell und trübte sich dabei erheblich ein. An eine vernünftige Fischerei war erstmal nicht zu denken! Natürlich probierten wir trotzdem alles, um das Blatt doch noch zu wenden…

In den kommenden Tagen befischten wir einige Strecken, die wir bereits im letzten Jahr gerne ausprobiert hätten, damals waren hier jedoch keine freien Karten vorhanden. Bei unserer Erkundung fanden sich einige tolle Pools, die bei etwas weniger Wasser bestimmt toll zu befischen sein würden. Doch es dauerte bis zum letzten Tag, als das Wasser wieder gefallen und ausreichend aufgeklart war, als ich endlich einen heftigen Biss bekam. Ein Fisch hatte meine Greenlander Tube genommen, kurz nachdem sie am gegenüberliegenden Ufer zu fischen begann. Wir hatten zuvor einige große Fische in diesem Pool ausmachen können. Mein Gegner ging sofort in die harte Strömung und es dauerte einige Minuten bis ich die Kontrolle gewann. Bald war klar, dass es keiner von den ganz großen fischen war. Als ich den Fisch nach ca. 10 min strandete, entschädigte mich sein Anblick jedoch für die vergangenen Tage. Fast 4 kg schwer und blitzeblank lag mein erster Beiarn-Lachs vor mir.

Kolja mit seinem ersten Beiarnlachs

Lachsdrill

Am Abend befischten wir einen anderen Pool unterhalb einer langen Rausche. Mirko machte den ersten Durchgang also entschied ich mich, einen kleinen Pool überhalb dieser Rausche zu testen. Von einem Pool zusprechen war bei diesem Platz schon fast übertrieben, es handelte sich eher um eine 20m lange Partie beruhigten Wassers, ehe oberhalb die nächste Rausche anschloss. Hier mussten die Fische doch eine Pause einlegen, dachte ich noch während ich die ersten Würfe tat. Es muss der dritte oder vierte Wurf gewesen sein, als die Fliege plötzlich stehen blieb. Als ich daraufhin die Rute hob, explodierte das Wasser am Ende der Fliegenschur förmlich. Sofort war klar, diesmal war es ein großer Fisch. Der Drill gestaltete sich zunächst recht unproblematisch. Der Lachs wanderte im Pool von einem Standplatz zum nächsten, dabei spielte er sein gewicht aus und quittierte meine Versuche ihn aus der Reserve zu locken mit heftigen Schlägen. Doch plötzlich erkannte mein Kontrahent, dass ihm dieser Pool wohl zu klein sein musste und riss mir Meter um Meter von der Rolle. Ehe ich mich versah, war der Fisch in der Rausche und meine Rolle sang lautstark. Noch nie zuvor habe ich mein Backing so schnell verschwinden sehen, es waren sicher 100 m die der Fisch im ersten Runn nahm! Ich musste also hinterher, zwar gelang es mir dabei nicht die Distanz zwischen uns zu verringern, zumindest zog der fisch jetzt aber langsamer mein Backing hinunter. Ich erinnere mich, dass ich einige Male so kurz vor einem Vollbad gewesen bin als ich dem Fisch durchs Weißwasser folgte. Erleichtert sah ich irgendwann Mirko hinter der Kurve auftauchen, der noch bei seinen Durchgang durch den ruhigen Pool war. Mein Fisch müsste jeden Moment neben ihm auftauchen, also machte ich mich mit einem lauten „Mirko“ aufmerksam. Verdutzt drehte er sich um, und es dauerte wohl einen Moment, bis er begriff was gerade passierte. Es muss wirklich ein Bild für die Götter gewesen sein, wie ich mich durch das schnelle Wasser ziehen ließ, in der einen Hand die gehobene Rute und die andere Hand weit von mir gestreckt, um mich an den zahlreichen Felsbrocken abzustützen!

Traumlachs aus dem Beiarn

Catch and Release

Was eben noch aussichtslos erschien, rückte plötzlich in greifbare Nähe. Als der Fisch in den ruhigen Abschnitt ging, hatte er viel von seinem Pulver verschossen! Ich konnte die Distanz zwischen uns schnell verkürzen und einige Minuten später landete Mirko den Fisch per Schwanzwurzelgriff. Es war ein blankes Weibchen, behaftet mit langschwänzigen Meerläusen, welches Mirko mir nun für einige Aufnahmen in die Hand drückte. Bewundernd betrachtete ich den Fisch für einige Augenblicke, ehe ich ihn, als mein Beitrag zur Erhaltung seiner Art, wieder schwimmen ließ!

 

Tight Lines,

Kolja