13.08.-21.08.2008 Lachsfischen am Mandalselva

Für mich war es der dritte Besuch an diesem wunderschönen Fluss in Südnorwegen. Nachdem wir im letzten Jahr eine sehr bescheidene Saison am Mandal erleben mussten, haben wir uns erst recht spät für einen Kurztrip an diesen Fluss entschieden. Nachdem wir hörten, dass unsere österreichischen Freunde, im August ein großes Haus mit einigen freien Betten gemietet hatten und wir dort herzlich willkommen waren, fiel uns die Entscheidung dann jedoch sehr leicht. Da Mawill und ich jedoch einige wichtige Termine hatten, konnten wir leider nur für eine Woche bleiben.

So hieß es dann die Fähre zu buchen, unser Gerät klar zu machen und schon ging es los. Der obligatorische Wettercheck vor der Abfahrt zeigte für die Region rund um Mandal Regen an. Na das könnte ja was werden… Bereits auf der Fahrt durch Dänemark bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack von den Wassermassen, die dieses Sommer-Tiefdruckgebiet mit sich führte. In Hirtshals angekommen Hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, bis unsere Fähe fahren würde. Also schnappten wir unser Bindematerial und machten es uns im Fährterminal gemütlich.

Draußen ging ein heftiger Schauer nach dem anderen runter und der Wind klatschte die Wellen gegen die Hafenmole. Die überfahrt würde sicher heftig werden… Mawill holte inzwischen noch einmal kurz die letzten Infos per Handy, direkt vom Fluss ein. Werner Nössing, der bereits einige Tage am Fluss war meinte, dass es regnete und der Mandalselva bereits sehr viel Wasser führte. Die Fischerei war gut, die Lachse waren in Bewegung und unsere österreichischen Freunde konnten bereits einen Fisch landen und hatten Kontakt zu einigen mehr.

Da wir davon ausgingen, dass das Wasser weiter steigen würde packten wir die Tubentools und die Messingtuben aus. Im Terminal entstanden so ein paar extraschwere Tubenfliegen in hotorange. Falls die üblichen Mandalfliegen (wie Fuglestfeitfluga, Allys-Shrimp, Green Highlander, GP und Thunder and Lightning / auf Zwilling und Drilling in den Größen 6-12 gebunden) bei dem Hohen Wasser nicht funktionieren sollten, hatten wir so immer noch einen Trumpf in unseren Fliegenboxen. Manchmal muss man halt zu extremen Maßnahmen greifen…

Als es dann endlich losging, und die Fähre den geschützten Hafenbereich verließ, wurde es wirklich schaukelig. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen am neu eingerichteten Internetterminal. Dann wurde ein letztes mal das Wetter gecheckt. Es Regnete!

In Kristiansand konnten wir uns dann ein Bild von der Wettersituation machen. Nach dem uns der Zoll glücklicher Weise durch gewunken hatte (what is the purpose of your stay in Norway? – Salmonfishing in Mandalselva! All right, tight lines…) ging es im Schleichtempo, wir konnten teilweise keine 10meter weit durch den heftigen Regen sehen, in Richtung Marnadal. Die Schnapsflaschen lagen gut versteckt unterm Rücksitz. Gegen Mitternacht konnten wir dann endlich über die Finsadalbrücke in Richtung unserer Unterkunft in Hedeland fahren. Trotz der Dunkelheit offenbarte der blick aus dem Fenster, wie hoch der Wasserstand wirklich war (ca. 200 m3/sec).

Endlich angekommen, wurden wir herzlich von Werner begrüßt, schließlich hatten wir uns ein Jahr lang nicht gesehen. Der Abend wurde lang und feucht-fröhlich. Schließlich fanden wir dann irgendwann doch noch einen Weg ins Bett. Trotz des Schlummertrunkes schlief ich vor lauter Vorfreude auf die nächsten Tage, recht schlecht. Am nächsten Morgen konnten wir erst mit dem Fischen beginnen, nachdem das Material desinfiziert und die Lizenzen gekauft wurden. Um es vorwegzunehmen, wir standen erst gegen 11uhr am Fluss.

Der Regen der letzten Nacht hatte aufgehört und die Sonne versuchte sich durch die Wolken zu kämpfen. Auch der Nebel der letzten Nacht in meinem Kopf, lichtete sich langsam. Beim ersten Blick auf den Pool wurde deutlich, dass die kleinen Sommerfliegen und die Schwimmschnur heute nicht zum Zuge kommen würden. Ich spulte die Float/Sink5 auf und machte das Vorfach klar. Dann kramte ich die Fliegenbox heraus und suchte nach einer passenden Fliege. Irgendwie konnte ich mich nicht so recht entscheiden (sollte ich vielleicht eine Thunder and Lightning oder doch lieber eine Highlander fischen?). Dann erinnerte ich mich an die orangene Tuben aus dem Terminal. Hatte ich die Dinger letzte Nacht nicht noch in die Tasche meiner Watjacke gesteckt? Tatsächlich waren sie da und die Bedingungen schrieen gerade danach, diese Fliege ans Vorfach zu knüpfen.

Kolja im Drill am Cablepool

Mein erster Mandallachs

Die Tubenfliege aus dem Terminal brachte den Erfolg

Mawills Gerät war bereits richtig aufgetackelt und unsere österreichischen Freunde hatten nun schon ein paar Tage gefischt. Aber wir waren noch heiß, darum überließ man uns den ersten Durchgang. Der Wasserstand im Pool war hoch. Dementsprechend war das Waten recht schwierig mit den ganzen Büschen im Rücken. Als Mawill in der Mitte des Pools angekommen war, hatte er kurz Kontakt zu einem Fisch, ohne ihn jedoch haken zu können. Er machte noch ein paar würfe an dieser Stelle, konnte den Fisch allerdings nicht noch einmal zum nehmen überreden. Als ich dann in die Rotation einstieg musste ich mich erst einmal wieder an das ungewohnte Gefühl einer Zweihand gewöhnen. Mit jedem Wurf kehrte jedoch ein Stück Erinnerung, und nach einigen Würfen mehr auch ein Grinsen zurück. Fliegenfischen mit der Zweihand, kann es denn etwas schöneres geben? Plötzlich passierte etwas Merkwürdiges…

Ich bin ca. 30meter weit durch den Pool gekommen, als mir die Schnur plötzlich aus den Fingern gerissen wurde. Das konnte doch kein Fisch sein, ich hatte doch erst 20 Würfe gemacht, schoss es mir durch den Kopf. Als ich daraufhin die Rute hob ging die Bremse auch schon los. Der Fisch nutzte die Strömung und zog einige Male davon. Schnell wurde jedoch deutlich, dass dies kein großer war. Und so konnte ihn Mawill dann auch nach einigen Minuten greifen. Das Ergebnis; ein feiner Lachs von 3 1/2 Kilo. Einen besseren Start in diese Woche hätte es wirklich nicht geben können! Und so wurde der Fisch dann erstmal standesgemäß mit einem kräftigen Schluck begossen…

Etwas Später trafen wir dann auf Lars und ein paar andere bekannte Hamburger. Sie bestätigten was uns auch Werner schon gesagt hatte. Da war einiges los gewesen in den Pools in den letzten Tagen. Lars hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Lachse und eine schöne Meerforelle Landen können. Außerdem konnte er einen sehr großen fisch haken, der sich nach einem harten Drill oberhalb eines Fossens, dann leider durch Vorfachbruch verabschiedete. Die Bedingungen sahen also wirklich sehr gut aus!

In den nächsten Tagen stabilisierte sich das Wetter und der Wasserstand fiel. Wir fischten viel und genossen das Leben am Lachsfluss. Aber um es vorweg zu nehmen, bei uns und bei den anderen auch, tat sich erst einmal nicht mehr viel. Die Fische hatten das hohe Wasser wohl genutzt um durch zu marschieren und sich an ihren Standplätzen einzustellen. Von der Aggressivität in den Pools, so wie in den vergangenen Tagen, war nicht mehr viel zu sehen. Zwar wurden immer noch vereinzelt Fische gefangen, die Verhältnisse der Tage vor unserer Ankunft waren jedoch zunächst vorbei.

Am vorletzten Tag sollte es dann jedoch dicke kommen. Der Wasserstand war inzwischen auf ungefähr 80m3/sec gefallen. Wir fischten einen Langen Pool mit einer tiefen Rinne auf der anderen Flussseite. Nachdem ersten Durchgang überlegten wir schon ob wir noch einmal einen Poolwechsel machen sollten. Aber irgendwie gefiel mir der Pool und wie die Fliege in diesen Verhältnissen lief. Auch Mawill meinte, dass der Pool sehr gut aussah und dass wir doch noch einmal durchgehen sollten.

In dem Moment kamen Lars und Axel um die Ecke gebogen. Die hatten wohl den gleichen Riecher gehabt… Nachdem wir etwas rumgeflachst hatten überließen wir den beiden den Vortritt und machten unser Gerät für den nächsten Durchgang klar. Zwischenzeitlich hatten wir von Sink3/4 und dicken Tuben bis hin zur Floating mit mini- Fliegen, alles erdenklich Mögliche probiert. Mawill war jetzt bei der Float/Sink 1 mit angeknüpften super extra fast Sinker und der besagten Terminal-Tube angekommen. Ich überließ ihm das Feld und Montierte noch einmal auf Floating und eine Thunder and Lightning um.

Dann stieg ich auch in die Rotation ein. Ich konnte die anderen während meines Durchgangs beobachten. Mich überkam in diesem Moment ein Gefühl tiefster Zufriedenheit, auch wenn die Fische nicht so wollten wie wir, hatten wir doch alles was wir brauchten. Wir waren am Lachsfluss, genossen die Elemente und teilten diese Passion mit unseren Freunden…

Mawill im Drill

nach der Landung staunten wir nicht schlecht über die Größe dieses Fisches

Ein großes Mänchen - Für den Mandal ein außergewöhnlich großer Fisch

Als ich mal wieder in Richtung der Anderen sah, war etwas irgendwie anders als zuvor. Mawill stand mit krummer Rute im Fluss und Lars, der unterhalb Mawills fischte war dabei aus dem Pool zu steigen. Schnell wurde mir klar, dass da kein Grils am Band hing. Ich rollte meine Schnur auf und machte mich auf den Weg um Mawill beim Drill behilflich zu sein. Als ich bei ihm ankam hatte sich an der Situation noch nicht wirklich verändert. Der Fisch stand in der Rinne und schlug ab und an mal in die Rute. Darauf hin verbesserte Mawill seine Position und begann den Fisch stärker zu forcieren. Der Fisch zeigte prompt eine Reaktion und begann stromauf zu ziehen, doch dann überlegte er es sich doch anders und drehte um, um mit der ersten Flucht locker 50 Meter Backing zu nehmen. Mawill konnte den Fisch zunächst bremsen doch dann begann er wieder zu marschieren Mawill grinste mich an und meinte, dass er ihm folgen müsste. Der Fisch zog nun kontinuierlich weiteres Backing von der Rolle und auch Axel, der ein ganzes Stück weiter unten gefischt hatte, merkte was los war und verließ den Pool um den Drill nicht zu gefährden.

Etwa 100 Meter weiter unten konnte Mawill den fisch nun Stellen und schaffte es die verlorene Schnur zurück zu gewinnen. Der Fisch konnte jedoch einige Male zurück ins Tiefe ziehen. Nachdem sich die Kontrahenten nun einige Zeit absolut nichts schenkten, zeigte der fisch dann erste Ermüdungserscheinungen und wir bekamen ihn zum ersten Mal zu sehen. Meine ersten Schätzungen von 7Kg plus korrigierte ich darauf hin auf 10Kg plus, doch das äußerte ich allerdings nicht um den Drill nicht zu beeinflussen. Mir war klar, dass dies ein besonderer Fisch war, der nicht hätte verloren gehen dürfen. Und dann geschah es doch noch, das Vorfach blieb an einigen Pflanzen hängen und der Fisch stand dahinter in der Strömung und konnte sich erholen. Wenn ich ehrlich bin dachte ich, dass dies das Ende des Drills sein musste und der Fisch bei der nächsten Flucht, entweder das Vorfach sprengt oder ausschlitzt! Und dann ging der Fisch auch wieder los, glücklicher Weise hielten Haken und Vorfach und die Schnur löste sich aus denn Pflanzen. Jetzt verstehe ich auch warum Mawill am Lachsfluss nicht unter 40er Vorfach geht!

Ich kann nicht sagen wie lang der Drill ging, jedenfalls konnte Mawill den Fisch dann bald ins flache Wasser dirigieren. Ich gebe zu, dass ich mich beim ersten Versuch den Fisch zu greifen nicht besonders glücklich anstellte und so konnte der Fisch noch einmal davon ziehen. Ich war auf die Kraft dieses Fisches einfach nicht vorbereitet gewesen. Jedoch war sein Schicksal nun besiegelt und beim zweiten Versuch ging dann alles gut und ich konnte einen wunderschönen Lachsmilchner von 11,5 Kilo landen.

Das dieser Fisch der größte Fliegenlachs der Saison am Mandalselva bleiben sollte, lenkt dabei vom Wesentlichen ab. Dieser Fisch hatte Charakter und für mich war er perfekt, auch wenn er nicht mehr Silberblank war! Ich Gratuliere meinem guten Freund zu diesem außergewöhnlichen Fisch und freue mich auf möglichst viele weitere gemeinsame Stunden am Wasser…

Hier geht es zur Fliegenbox

Tight Lines,
Kolja