13.03.-20.03.2011 Auf Springer am River Dee

Bis dahin war der River Dee für mich einer dieser traditionsreichen Flüsse in Schottland, der aus den Geschichten von Mawill und Kolja unwiderstehlich, aber für mich die nächste Zeit finanziell in weiter Entfernung lag. Bis zu diesem Anruf von Kolja, der dieses typische Angebot hatte, was man nicht ausschlagen sollte.

Aus gesundheitlichen Gründen konnten zwei Schweden nicht an der Fishingparty teilnehmen. Natürlich hatte ich Mitleid mit den Schweden, war aber auch ein gutes Stück berauscht von dem Gedanken bald wieder im Fluss zu stehen und die Chance auf einen Springer zu haben. Und das mitten im März, noch weit von der Lachssaison in Norwegen entfernt. Der Termin stand schon in 3 Wochen an und Zeit für eine lange Vorbereitungen war nicht mehr gegeben, auch da ich bis dahin noch eine ganze menge Arbeit in der Firma vor mir hatte.

Schon war der Sonntag gekommen… Als das Flugzeug den Landeanflug vorbereitete und sich die Wolkendecke lichtete, wurde mir so langsam deutlich, was für eine tolle Woche uns bevorstand. Zwar hatte es 2 Tage vor unserer Anreise Neuschnee gegeben, aber die Temperaturen sollten in den nächsten Tagen gerade genug steigen um uns eine gute Fischerei bringen, ohne dass jedoch die Schneemassen in den Bergen schmelzen, und uns zu hohes Wasser bescheren würden.

Wir fischten in einer bunten Gruppe aus Schweden, Dänen einem Österreicher, Kolja und mir den Ballogie, Carlogie und den Commonty Beat. Am Montag fischte ich mit zwei Dänen in Commonty. Als erstes, gab es für mich als Dee-Neuling, eine kleine Einweisung von unserem Ghilie Ian.  Schottisch-Zurückhaltend erklärte er mir einige Besonderheiten, die ich am Dee beachten sollte… Der Dee ist an den meisten Stellen nicht tiefer als 1,5 Meter. Die Wassertempratur lag bei nur 2 Grad – die folgenden Tage zeigten, dass man erfolgversprechend fischte, solange man seine Fliege im schnellen Wasser, möglichst langsam und recht tief fischte, ohne jedoch am eigenen Ufer zu schnell in den Steinen zu hängen. Ein schwieriger Spagat, dem man an jedem Pool erneut bevor stand!

Norman Mit Springer

Ich fischte mich an diesem Vormittag durch einige herrliche Pools, leider ohne Kontakt oder Fisch gesehen zu haben. Aber jetzt wusste ich, warum Kolja meinte, dass jeder Fliegenfischer diesen Fluss lieben musste. Die Pools sahen aus wie gemalt und die Highlands im Hintergrund mit ihren schneebedeckten Spitzen taten ihr übriges.

Beim Mittag, in einer von den kleinen Hütten die an vielen Pools stehen, traf ich Bo der mir freudestrahlend von seinem ersten Springer des Jahres erzählte, den er am Vormittag landen konnte. Er war ca. 4 Kg schwer und pures Silber. Motiviert fischte ich bis zum Sonnenuntergang, aber an unserem Beat tat sich nichts mehr.

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Lachsdrill am Commonty

Abends in der Hütte war die Stimmung ausgelassen. Norman konnte ebenfalls einen Springer aus dem Ballogiebeat fangen. Er fing ihn auf einen „Yellow Monkey“. Es war genau diese Fliege, die unserer Gruppe in den kommenden Tagen viele Fische bescheren sollte…

Einer meiner zahllosen Kelts

Langsam gewöhnte man sich an den Rhythmus des Fischens. Alle Pools wurden von der rechten Uferseite befischt, und es dauerte schon 2 Tage bis bei mir die Routine des Linkshandwerfens, wieder in eine flüssige Bewegung übergegangen war. Jeder unsrer Beats war zwischen 3 und 5 km lang und man teilte ihn sich zu dritt bzw. zu viert. Der Luxus so viel ungefischtes Wasser für sich alleine zu haben, kannte ich bis dahin noch nicht. Alle Pools fischte man fast immer nur alleine, was an vielen anderen Lachsflüssen bekanntlich anders ist! Die Tage vergingen, aber auf meinen Springer musste ich weiter warten. Kolja und Norman konnten alle schon richtig schöne Fische für sich verbuchen, doch bis auf einige Kelts hatte ich noch nichts vorzuweisen. Mittwoch abends fischte den für meinen Geschmack wohl schönsten Pool im Ballogie-Beat. Der „Garnets“ unterteilt sich in 3 Teilstücke, die durch zwei Nacken getrennt werden. Als ich im schummerig werdenden Licht einen Take bekam, war für mich klar, das es jetzt mein Springer sein musste. Der Fisch nahm mir mit seiner ersten Flucht gute 50 Meter und ging die erste Rausche runter. Ich machte viel Druck, konnte ihn aber auch von der zweiten Rausche nicht abhalten. 300 Meter unterhalb vom Takingpoint konnte ich den Fisch das erste mal sehen. Doch leider platzte mein Traum vom 20 Pfund Springer. Leider war es wieder nur ein Kelt, den ich diesmal zu allem Überfluss in der Schwanzflosse fehl-gehakt hatte!

Kolja mit seinem ersten Springer

Langsam wurde ich Nervös, es war Mittwoch und damit die halbe Woche bereits rum. Noch ließ mein Springer auf sich warten. Doch am Donnerstag wurde ich dann  endlich erlöst. Kolja und ich fischten den Carlogie Beat. Kolja gab mir einen Tipp welchen Pool ich noch einmal fischen sollte. Es war eine langgezogene Außenkurve, mit einer schönen Rinne auf der gegenüberliegenden Seite. Schon nach dem 10 Wurf bekamm ich einen zaghaften Take. Die Fliege hatte schon fast ausgefischt, und als mein Yellow Monkey von der tiefen Rinne ins seichtere Wasser wechselte, zog es mir langsam aber bestimmt die Schlaufe aus der Hand. Ich glaubte zunächst an einen Kelt, da ich an diesem Tag schon wieder drei gefangen hatte, aber als ich den Fisch dann sah war meine Freude enorm. Der Springer hatte ca. 3,5 KG und hatte noch einige Meerläuse. Kein Riese, aber meine Zielsetzung, einen Springer zu fangen hatte ich nun erreicht. Ein schnelles Foto mit dem Handy und schon durfte er, wie übrigens alle Fische am Dee, wieder schwimmen. Am Dee herscht catch and release. Dadurch wird sicher gestellt, dass der gute Lachsbestand für die Zukunft erhalten bleiben kann.

Mein erster Dee-Springer

Zufällig war heute Sankt Patricks Day und ich muss schon ein wenig schmunzeln wenn ich mich an die Nacht mit den Jungs in Aberdeen erinnere.

Insgesamt haben wir in dieser Woche 23 Springer gefangen. Ich konnte leider „nur“ einen zu dieser Quote beitragen. Trotzdem kann ich sagen, dass dieser Urlaub meine Erwartungen voll erfüllt hat, so habe ich mein Ziel einen Springer zu fangen doch erreicht… Ich freue mich auf meinen nächsten Besuch an diesem traumhaften Fluss!

Fliegenbox – „River Dee“

Tight Lines,

Jöran Marschall