10.04.-17.04.2010 Merforellenfischen in Schweden

In diesem Jahr beschlossen wir etwas später an die Süd-Schwedische Küste zu reisen um dort den Meerforellen der Ostsee nachzustellen… Wir verbanden dieses Vorhaben, mit der Hoffnung, weniger Absteiger an unsere Fliegen zu bekommen, dafür evt. den einen oder anderen Blanken mehr zu überlisten. Gerne würden wir weniger Kontakte in Kauf nehmen,  wenn die Meerforellen dafür in besserer Kondition sein würden!

Nun kam jedoch alles anders, als wir es uns vorher ausgemalt hatten. Der Schwedische Winter 2010 war genau so kalt und lang, wie überall in Europa. Dieser Trend zeichnete sich bereits im Februar ab, als Mawill und ich für eine Stippvisite an die Mörrum gefahren sind, um mit Normann einige Stellen in Bleckinge zu befischen. Bereits zu dieser Zeit standen wir an vielen Spots zwischen Eisschollen und zogen unsere Fliegen durch Wasser, welches der Konsistenz von Uzo glich. Fischen imposible… Bis Mitte-Ende März waren viele Stellen, die wir in den vergangenen Jahren erfolgreich befischten, noch so stark mit Eis bedeckt, dass an eine reelle Chance auf Fisch, gar nicht zu denken war!

Der Winter beeinflusste die Fischerei wohl bis in den April, denn in diesem Jahr mussten wir die Fische meist länger suchen, als wir es aus den vergangenen Jahren gewohnt waren. Hatten wir die Fische jedoch einmal gefunden, konnten wir oft viele Kontakte verbuchen. Und was soll ich sagen, leider ging unser Plan, mehr Blanke zu fangen nicht auf. Wie sollte er auch… Denn anders als in den Jahren zuvor, konnten wir nur an sehr wenigen Stellen, Nahrungstiere wie z.B. Tangläufer, Garnelen, Stichlinge oder Grundeln, in bedeutenden Zahlen beobachten. Das hieß, dass die im Meer überwinterten Forellen anscheinend keinen Grund hatten, über den Riffen nach Beute Ausschau zu halten, sondern vermehrt in den tieferen Zonen auf Jagd gingen.

Drill auf der Riffspitze

Diese These bestätigte sich in unserer Woche immer wieder! Wenn man es geschafft hatte, halb schwimmend halb watend, an die äußerste Riffkante zu gelangen und seine Fliege über der Kante präsentierte, kamen dann die Kontakte früher oder später. Während derjenige der es nur bis zu einem Stein weiter hinten geschafft hatte, oft Schneider blieb! (Unter normalen Bedingungen möchte ich dieser Praxis, des Watens bis an die Oberkante der Wathose, jedoch abraten. Viele unser Fische konnten wir, übrigens auch im Frühjahr, im knie- bis hüfttiefen Wasser verbuchen. Insbesondere dann, wenn die Sonne den Flachwasserbereich über den Riffen erwärmt und ein deutliches Aufkommen an Beutetieren zu beobachten ist, vertrampelt man sonst viele Fische)

Ein großer abgelaichter Fisch

Auch dieser Fisch darf wieder schwimmen

Die Fischerei in unserer Woche war also alles andere als leicht. Einige in unserer Gruppe konnten nur wenige Kontakte verbuchen oder gingen ganz als Schneider nach Hause! Auch dass ist Süd-Schweden im Frühjahr und man sollte sich davon verabschieden zu glauben, dass einem die Fische hier leichter als anderswo an den Haken gehen, auch wenn viele Artikel und Berichte anderes suggerieren…

Die Realität sieht so aus:

Inzwischen muss man auch hier immer länger suchen, um eine Stelle zu finden, die nicht bereits von anderen Fischern besetzt ist. Findet man ein ruhiges Plätzchen, heißt dies noch lange nicht, dass auch die Fische dort sind – Auch ein Platz der gestern noch Fisch brachte kann die nächsten Tage wie ausgestorben erscheinen. Oder die Nebenerwerbsfischer haben ihre Netze über Nacht, direkt unter Land gestellt… Und wenn wir einmal nicht damit zu kämpfen haben die Fische zu finden, dann kämpfen wir mit Wind- und Wetterkapriolen, die eine vernünftige Fischerei, zumindest Zeitweise zum Erliegen bringen können!

Wen jedoch diese Worte nicht abschrecken, der kann eine tolle Fischerei, in herrlicher Natur erleben! Der einzige Wehrmutstropfen bleibt, dass der Großteil der gefangenen Fische, Absteiger sind. Diese Fische sind jedoch häufiger als bei uns, bereits wieder in guter Kondition und meist auch deutlich Größer… Viele fische sind bereits wieder silber gefärbt, wenn sie zwischen Januar und April aus den Flüssen gehen. Es sind jedoch keine blanken Fische, auch wenn einige Fliegenfischerkollegen dies anscheinend anders sehen, oder den Unterschied nicht erkennen können oder wollen!

Boris mit Blanker Meerforelle

Lose Schuppen sind ein deutliches Zeichen

Der andere Boris mit seinem Überspringer

Unsere Gruppe konnte in diesem Jahr, nebst einiger abgelaichten Fische, drei herrliche Überspringer überlisten. Borris konnte nach einem 20 Minuten andauernden Drill, bei dem der Fisch mehrmals bis ans Backing ging, einen silberblanken Fisch von knapp 4 Kilo landen, welch ein Traumfisch! Auch Sven konnte in diesem Jahr, einen noch etwas größeren Überspringer fangen. Dieser Fisch bis auf eine kleine, als Springerfliege angebundene, braune Garnele – ein Trend den wir in den letzten Jahren häufig beobachten konnten, der zumindest im kalten Wasser wohl konträr zur aktuellen Tendenz läuft, dass nur große Fliegen große Fische fangen!

Auch ich, fing die meisten meiner Fische auf kleine Garnelenmuster, häufig in Brauntönen. Leider blieb mir auch in diesem Jahr ein Überspringer verwehrt! Allerdings bereitete mir, eine sich bereits wieder in toller Verfassung befindliche Meerforellendame, das seltene Erlebnis, mein Backing wieder einmal im Drill sehen zu dürfen… Vielen Dank dafür!

Tight Lines, Kolja