04.09.-09.09.2011 Stora Laxa – Einhandfischen @ its best

O09-2011-Island-Store-Laxa-Cover

Bisher war Island immer ein weißer Fleck auf meiner Lachsfischer Weltkarte, die ansonsten gut mit Nadeln von Russland über Schweden bis Schottland gespickt ist. Vorurteile wie kleine Fische und Tagespreise die sich zur Anzahlung von Luxuskarossen eignen, waren bisher das, was ich als Bild von Island im Kopf hatte. Das dies nicht immer der Fall sein muss, zeigte sich dieses Jahr am Stora Laxa.

Da es auf Island drei Stora Laxa gibt, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es sich hier um den südöstlich gelegenen Stora Laxa  handelt, der in einen milchig weißen von reinem Gletscherwasser gespeisten Fjord mündet. In diesem Fjord entleert sich auch der berühmte Tungofjord, der auf Island seit Jahren für gute Fänge bekannt ist.

Aber eins nach dem anderen…. Als ich dieses Jahr in Russland den Isländischen Angelagenten Arni Baldursson traf und ihm nach kurzem Gespräch genau die vorher erwähnten Vorurteile um die Ohren schlug,  hatte er nur ein kurzes Lächeln für mich übrig. Kurzerhand schlug er mir vor doch Anfang September zu ihm nach Island zu kommen um den Stora Laxa zu fischen. Dieser Fluss würde mich vom Gegenteil überzeugen.

Also saß ich Anfang September im Flugzeug und erreichte in guten drei Stunden von Hamburg, Islands Hauptstadt Reykjavik. Mein Schwedischer Freund Erik Cullin kam zur gleichen Zeit an und wir nahmen unseren Mietwagen in Empfang. Die Fahrt vom Flughafen zum Fluss dauerte eine gute Stunde und wurde nur durch eine kurze Shoppingtour in Selfoss unterbrochen. In Island teilt sich der Angeltag oft in zwei Sessions. Den Vormittag von sieben bis eins und den Nachmittag von drei bis neun. Dies hat den Vorteil, dass man zum Beispiel am Ankunftstag einen halben Tag, dann drei ganze und wieder einen halben Tag fischt. Gefühlt hat man so fünf Fischtage, obwohl einem aufgrund der zwei geteilten Tage nur vier berechnet werden. So war es auch bei uns der Fall. Nach unserer Ankunft an der Selfcatering-Lodge direkt am Fluss, hatten wir zwei Stunden Zeit, um unser Tackle aufzubauen und die abreisenden Fischer mit den üblichen Fragen zu löchern. Welche Schüre, welche Fliegen, welche Pools, wie, was und überhaupt. Als wir dann schließlich ausrückten, schmückten drei Zweihandruten und meine Einhandrute unsere Rutenhalter am Auto. Obwohl der Fluss an vielen Stellen eher Zweihandtauglich war, hatte ich mir vorgenommen endlich mal ein paar Lachse mit der Einhand zu fangen.

Blick über den Stora Laxa

Am Fluss angekommen, war ich erstmal erstaunt von dem klaren Wasser und dessen Temperatur. Da der Stora Laxa aus den Bergen kommt und teilweise von Gletscherwasser gespeist wird, steigt die Temperatur eigentlich nie über acht Grad Celsius. Trotzdem sollten zunächst kleine ,,Monkeys“ oder mini Sunrays zum Einsatz kommen. Schwarzrot oder schwarzgelb funktionierten auf Anhieb und so konnte ich nach 30 Minuten den ersten, etwa 2,5 Kg schweren Lachs an meiner sechser Einhandrute mit Trockenschnur landen.

Da wir es mit Niedrigwasser zu tun hatten musste die Fliege kontinuierlich eingestrippt werden. Dies hatte den Effekt, dass die Bisse meistens sehr hart kamen und sofort mit Anhieb in der Schnurhand zu quittieren waren. Eine echte Umstellung, wenn man daran denkt, dass ein Anschlag beim klassischen Swingfischen mit der Zweihandrute, zumeist den Verlust des Fisches zur Folge hat! Außerdem war vorsichtiges waten und vorsichtiges werfen ohne viel „Leinenaktion“ im Wasser der Schlüssel zum Erfolg.

Erik im Drill

Erik mit Laxa Lachs

Durchgehend fingen wir etwa zwei bis drei Fische pro Person und Session. Einige Exemplare hatten an die achtzig Zentimeter, schon ganz gut, aber irgendwie nicht Weltklasse. Ich entschied mich auf eine Mission zu gehen und die Standplätze der Fische einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Als ich auf einen Felsvorsprung etwa sieben Meter über dem Laxaholt Pool, nahe unserer Lodge kletterte, verschlug es mir den Atem. Da lagen etwa vierzig Fische im glasklaren Wasser. Alle dicht nebeneinander in der unter dem Vorsprung gelegenen Rinne. Der Ganze Pool war leer, nur eben nicht dieser, etwa zehn Meter mal zwei Meter große, etwas vertiefte Teil. Wo ich vorher gefischt hatte waren zum Teil gar keine Fische! In diesem Moment wurde mir klar was der Schlüssel zum Erfolg sein könnte. Bei normaler Vorgehensweise und dem werfen leicht stromab hatte der Fisch gar nicht die Gelegenheit die Fliege richtig zu sehen! Eine andere Taktik musste also her.

Als ich auf der anderen Seite des Flusses angekommen war, knotete ich mit zittrigen Händen eine Tungsten Frances in rot an mein gezogenes Vorfach, welches von der Schwimmschnur auf weite gebracht werden sollte. Soweit die Theorie. Das sich die etwa zwei Gramm schwere Fliege werfen lies wie eine tote Katze, muss ich wohl nicht erwähnen.

Mein Wurf ging leicht stromauf, die Fliege landete etwas oberhalb der ausgemachten Standplätze. Ich lies die Fliege absinken, als die Schnur genau neunzig Grad zum Ufer zeigte begann ich zu strippen. Eins, zwei, dr….Bumms – Ach du Scheiße! Das Klappt ja besser als gedacht. Als der etwa vier Kilo schwere Fisch vor mir lag konnte ich mir ein leichtes grinsen nicht verkneifen. So muss man euch hier also beikommen….

Als ich wieder stromauf ging um den Pool erneut zu fischen, war ich siegessicher, so wie man es beim Lachsfischen nur ganz selten ist und auch nur sein darf, wenn man alleine ist, sonst geht es sowieso schief.  Als ich etwa dreißig Minuten später zwei weitere Lachse von fünf und sieben Kilo gelandet hatte, hätte sich ein Panzer bei einer Kollision mit mir, Dellen eingefangen!

Fangbuch vom Stora Laxa - Was für ein Tag...

Nun hatte ich also offenbar den Schlüssel gefunden. Und in der Abendsession fing ich unglaubliche zehn Lachse in sechs Stunden. Mein bester Tag als Lachsangler, ever! Alle auf die gleiche Fliege, eine ,,red Frances“. Bisher hatte ich sie immer als hässliches Entlein abgestempelt. Diese kleine Ding, welches zugegeben eher nach einer Mischung aus Stachelschwein und Sextoy aussieht, als nach etwas,  was man an sein Vorfach knotet um damit Lachse zu fangen. Tja manchmal kann das Leben so einfach sein!

Einige Wochen später habe ich die gleiche Methode übrigens am River Dee probiert und was soll ich sagen, es funktioniert auch dort. Ich denke, dass diese Methode überall auf der Welt funktionert, solange man flaches Wasser auf seiner und eine tiefe Rinne auf der anderen Seite hat. Und somit wurde die Frances dieses Jahr zu meiner erfolgreichsten Fliege.

Thight lines

Mawill Lüdenbach