03.07.-10.07.2010 Lachsfischen am Jokanga

Der Fluss und das Camp

Der Jokanga liegt etwa 1,5 Flugstunden (Helikopter) östlich von Murmansk. Der Fluss teilt sich in drei verschiedene Abschnitte, den upper-, middle- und lower Jokanga. Der ganze Fluss liegt in einem Militärgebiet und ist nur mit einem gesonderten Militärvisum zu erreichen. Hinzu kommt, dass das untere Stück des Flusses (Lower Jokanga Beat), erst 2008 zugänglich gemacht wurde und seit dem durch westliche Fliegenfischer befischt werden kann! Die Durchschnittsgröße der Fische liegt von Mitte Juni, bis Mitte Juli, bei 8 Kilo. Fische bis 20 Kilo kommen fast jede Woche vor. Mehrfach in der Woche gehen solche Fische während des Drills verloren.

15ft Stinger in action

Der Fluss ist von eher schnell fließender Natur. Steine und Weißwasser formen immer wieder kleine Pockets und Nacken. Holdingpools gibt es am Lower Beat nur vereinzelt. Die einzigen Holdingpools liegen allerdings gut verteilt. So das jeder Fischer einen oder zumindest eine Seite, des riesigen Lupskaya pools in seiner Rotation vorfindet. Außerdem gibt es noch den Lakepool, den Goldenpool und natürlich den Homepool.

Der Lakepool befindet sich am oberen Ende des Beats und ist wie der Name schon sagt, die Stelle wo der Jokanga das letzte Mal, durch einen der in der Tundra so typischen Seen fließt, bevor er sich in der Barentssee entleert. Die Strömung ist moderat und man fischt quasi den Teil des Sees, an dem der Jokanga wieder Fahrt aufnimmt, um zu dem mächtigen Strom zu werden, der er ca. 500 Meter weiter unten ist.

Der Goldenpool ist durch eine Insel vom Homepool getrennt. Er ist der ruhigste und tiefste Pool im Lower Beat. Der einzig wirklich klassische Pool, mit schnellem Einlauf, einem tiefen lang gezogenen ,,Becken“ und einem perfekten Nacken am Ende des Pools.

Der Homepool, ein mit großen Steinen durchsetzter Pool, ist unterhalb der Lodge zu finden. Nach einer langen Rausche mit kräftiger Steigung, finden die Fische hier erstmalig wieder langsamer fließendes Wasser vor.

Und zu guter Letzt den Lupskaya Pool, der am Ende der Strecke liegt und aufgrund seiner enormen Breite von ca. 100 Metern, von je einer Gruppe Fischern pro Seite befischt wird. Der Lupskaya ist am Ende durch eine Insel getrennt die zwei wirklich schöne Nacken formt, auf denen eigentlich immer Fisch zu finden ist!

Ein Bär kreuzt unseren Weg zum Fluss

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Das Camp besteht, aus mehreren, auf festen Holzböden errichteten Zweibettzelten, sowie einem großen Gemeinschaftszelt zum Essen, Fliegenbinden usw. Des Weiteren, gibt es feste Hütten mit Duschen und einer Sauna. Das Camp liegt seit 2010 hoch oben auf einer Bergkuppe. Im letzten Winter hatten Fischwilderer das alte Camp angezündet und so musste kurzerhand ein neues errichtet werden. Das alte Camp soll aber 2011 wieder aufgebaut werden und dann den Weg zum Fluss, um ca. 10 Minuten und gefühlte 100 Höhenmeter verkürzen.

Erster Fisch nach zwei Stunden

Das Fischen 03.07-10.07 2010

Das Wetter am Morgen des 02.07.2011 war verhangen und Wolkig! Da ein Helikopter über 400 Meter als vorgeschriebene Sichtweite verfügen muss, war an einen Abflug vom MMK Airport nicht zu denken. Also Stand uns eine zweistündige Fahrt nach Lovozero bevor. Von dort aus ging es im absoluten Tiefflug an den Lower Jokanga. Es war kalt und die nassen Wolken hingen tief über den Bergen, in dessen Tal der Jokanga, laut gurgelnd dahin floss.

Am ersten Abend, wurde nur schnell etwas gegessen und danach schnell aufgetackled. 15 ft. Ruten der Klasse 10/11 und Float Sink 1 Leinen mit Fast sink Polyleadern waren unsere Wahl. In den letzten Jahren hatten sich Green

Lupskaya Taxi

Highlander, Greenlander sowie Snelda und Francis bewährt. 5-8 cm sollten die Fliegen schon haben. Durch den eher niedrigen Wasserstand 2010, fiel meine Wahl auf eine ca. 7 cm lange, etwas spärlicher gebundene, ,,Green Monkey“ – eine Fliege mit grüner Unterschwinge, Schwarzem Affenhaar als Oberschwinge und gelbgrüner Behechelung.

Aufgrund der zerklüfteten Struktur des Jokangas, galt es also die Wege der Fische genau zu berechnen  um deren Standplätze und Takingpoints zu finden. Manche Plätze sahen gut aus, hielten aber keinen Fisch. Dies bestätigte immer wieder die Theorie, dass Fische im größten Strom gehen und sich die besten Plätze am Rand dieser Autobahn suchen. Ein Tip: Immer den Fluss gute 200 Meter hinunter sehen und sich überlegen, wo genau der Fisch aufsteigen wird. Oft sind Plätze, die auf den ersten Blick gut aussehen, für den Fisch nicht optimal zu erreichen. Dann kann ein Lachs, auch schon mal an einem für uns eher unscheinbaren Platz stehen.

Und genau an solch einem eher unscheinbaren, Platz fischte meine Fliege etwa zwei Stunden nach meiner Ankunft am Lower Jokanga. Der Biss kam eher zaghaft und so zog der Fisch, nach Freigabe der Schlaufe, langsam aber ohne viel Kraft, die Runningline von der Rolle. Als ich aber den Druck auf den Fisch erhöte, gab dieser dann Gas! Schnell pfiff der Verbindungsknoten von Runningline und Backing durch die Ringe. Der Fisch schlug geradezu Haken, sprang und machte immer wieder weite Fluchten. Nach und nach bekam ich den Fisch unter Kontrolle. Dummerweise hatte sich die Runningline beim Drill, auf der Rolle verknotet, während der Lachs auf mich zu geschwommen war. So hatte ich plötzlich nur noch 15 Meter und eben den Schusskopf, plus Tippet zur Verfügung. Also hieß es den Fisch von nun an hart zu drillen. Um nicht das Risiko einzugehen das sich noch mehr der Leine verknotet, rollte ich nicht mehr auf, sonder ging am Ufer zurück. Machte der Fisch einen Spurt, rannte ich aufs Ufer zu. Nach einigen Wiederholungen dieser Prozedur, lag ein 9,4 Kilo schwerer Fisch im Netz des Guides, blank und kugelrund! Nach dem Fight sagte Jürgen, der mich die ganze Zeit über beobachtet hatte, er hätte ständig erwartet das entweder die Rute brechen, oder das Vorfach reißen würde.

Lachsdrill am Home Pool

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Am nächsten Tag teilten wir uns in Teams auf und befischten, die uns zugewiesenen Beats. Viele Fische knapp unter 10 Kilo, wurde in den ersten Tagen gelandet und einige ü.10Kg. Bei jedem Abendessen, machten Geschichten von unhaltbaren Fischen die Runde. Ein Mitfischer verlor einen Fisch inklusive Schusskopf, Runningline und seinem kompletten Backing. Dies geschah nach einer rasanten 300 Meter Flucht, STROMAUF!!! Erik war dem Fisch rennend gefolgt und hatte seine Bremse gänzlich angezogen. Fast jeden Tag, passierte einem von uns etwas ähnliches. In einer solchen Situation bleibt einem nur rennen und hoffen! Die zum Teil mehrere hundert Meter langen Rauschen, mit etlichen Steinen, machen es den Fischen einfach zu leicht sich festzusetzen.

Jürgen mit Jokangasilber

Die Tage vergingen und jeder von uns landete einige wirklich gute Fische. Mats schoss mit seinem 20,1 Kilo Fisch, mal wieder den Vogel ab und sein Sohn Victor hatte mit 21 Fischen die Toprod. Imposant war auch Victors Fisch der Woche mit 101cm und 14,8 Kilo! Ein wahnsinns Konditionsfaktor. Am Morgen des letzten Tages war es sonnig und so konnten wir nach 1,5 std. Flug auf dem MMK Heliport landen.

Fazit: Auch wenn es, mit 7 von mir gefangene Fischen, zahlenmäßig keine Rekordwoche war, hatte ich viel Spaß und habe einige schöne Fische gefangen! Ich würde gerne wiederkommen, allerdings hat 2011 eine andere Company den Lower Jokanga übernommen. Und 5000GBP sind schon hart an der Schmerzgrenze (wenn nicht drüber)! Wir werden sehen wie sich alles entwickelt, und berichten…

Tight  Lines

Mawill Lüdenbach