02.08.-11.08.2011 Lachsfischen am Mandalselva

08-2011-Norwegen-Mandal-cover

Während ich diese Zeilen schreibe ist die Saison am Mandal noch in Gange. Trotzdem wage ich es jetzt schon einmal, eine Zusammenfassung der Ereignisse zu geben… Im Frühjahr erreichte uns Mandalfischer eine Hiobsbotschaft. Die Kraftwerke am Mandal werden in dieser Saison ihre Technik warten und im Zuge dessen, über einige Wochen im Juli und August (KW 30 – 33), den Wasserdurchlass erheblich drosseln. Die offiziellen Stellen sprachen von unter 10m³!  Uns erreichten in dieser Zeit einige Mails besorgter Leser… Und ich kenne einige Fliegenfischer die sich ernsthaft überlegten, ihren diesjährigen Trip auf Grund dieser Aussichten zu canceln!

Warten auf den nächsten Durchgang

Ich nahm diese Nachricht hingegen gelassener als viele andere auf! Ehrlich gesagt, hatte ich den Mandal schon lange nicht mehr bei niedrigem Wasserstand befischt und mir so manches Mal gewünscht, der Wasserstand solle doch lieber 10m³ betragen, als ich wieder einmal bei über 100m³ am Ufer stand. Wenn ich aus den letzten Jahren also etwas gelernt hatte, dann war es dass der süd-norwegische Sommer immer Regenphasen bereit hält. Und wenn es hier regnet, dann gibt’s oft richtig was auf die Mütze, so dass auch am Mandal reichlich Wasser auf dem natürlichen Wege fließt! Darum vertrat ich stets meine Meinung, trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen hinauf zu fahren.

Von Juni bis Juli stiegen die Fangzahlen von Woche zu Woche an. In der frühen Saison wurden diesmal deutlich mehr Fische als in den vergangenen Jahren eingetragen. In dieser Periode werden auch am Mandal häufig größere Fische gefangen, auch wenn man das Durchschnittsgewicht nicht mit anderen bekannten Füssen vergleichen kann. Es zeichnete sich jedoch ab, dass in dieser Saison besonders viele größere Exemplare, in der Kategorie 3 – 7kg gefangen wurden, ein Trend der bis in den August anhielt!

 

Lachs am Haugefossen

Dies war jedoch nicht der einzige Trend, denn auch das Wetter hielt sich an unsere Vereinbarung… Der Sommer war auch in diesem Jahr wieder recht feucht und die Wasserreservoirs über den Kraftwerken waren randvoll! Pünktlich zu den Kraftwerksarbeiten ging der Wasserstand auf 400m³  (KW 29) und fiel in den kommenden Wochen nie unter 40m³. Der Wasserstand blieb im August selten konstant, Regenperioden ließen den Pegel wiederholt über 100m³ steigen. Dieser Umstand machte die Fischerei zeitweise sehr schwierig, ehe dann einige Tage später wieder traumhafte Bedingungen herrschten. Wer zur richtigen Zeit zur Stelle war, konnte dann schon einmal mehrere Kontakte an einem Tag haben!

Die Fangzahlen werden am Ende dieser Saison wohl ungefähr beim 5-Jahres Durchschnitt des Mandals liegen. Was das Durchschnittsgewicht betrifft, kann ich mich jedoch nicht erinnern, jemals so viele „große“ Fische in diesem Fluss gesehen zu haben! Zwar ist der Mandal historisch gesehen durchaus dafür bekannt große Fische zu produzieren. Seitdem der Saure Regen, als Folge globaler Industrialisierung, die Lebensbedingungen in den Südnorwegischen Flüssen dramatisch verschlechterte, war dieser Fluss Jahrzehnte lang nur noch ein Schatten seiner selbst. Ehe 1997 mit der Einführung eines großflächig angelegten Kalkungsprojekt, die Basis für die kontinuierliche Verbesserung des Lachsaufstiegs gelegt wurde. Haben wir in dieser Saison nun also einen Ausblick erhalten, wie sich dieser Fluss in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird?

 

 

 

Mandal August 2011:

In der letzten Saison fiel unser Mandaltrip, zu Gunsten einer Audienz an der Gaula (Bericht) aus. Darum freute ich mich sehr darauf, in dieser Saison wieder an den vertrauten Pools des Mandalselvas zu stehen. Die Truppe bestand diesmal aus Luggi – unserem nichtfischenden Fotografen, Werner, Hannes, Mawill, Jöran und mir. Außerdem besuchte uns Mirko für ein paar Tage. Um es vorweg zu nehmen, fing jeder von uns seinen Fisch! Für Hannes und Mirko waren es jeweils die ersten auf Fliege, beide haben sehr hart für diesen Erfolg gearbeitet, dafür auch an dieser Stelle nochmals Petri!

In den Tagen vor unserer Ankunft waren die Bedingungen optimal, der Wasserstand fiel nach einer langen Hochwasserperiode auf ein niedriges Niveau und viele Fische waren im Fluss. Diese Woche sollte später als die Beste der Saison in die Fangbücher eingehen! Als wir dann endlich am Mandal aufschlugen wurden wir Zeugen einer traumhaften Fischerei! Mawill konnte beim ersten Durchgang bereits einen schönen Fisch landen, ein Lachsweibchen um 5kg (c&r). Auch Jöran war an diesem Abend bereits erfolgreich und fing seinen ersten Mandallachs, ein frischer Grilse von knapp 3 Kg!

Lachsdrill am Mandal

Werner mit Mandallachs

Jöran mit Mandallachs

Catch & Release

Mawill mit Lachsdame

Am nächsten Tag verlor Jöran 2 Fische innerhalb von 5 Minuten. Und am Nachmittag konnte auch ich meinen ersten Fisch dieses Trips landen. Ich befischte den Pool ganz alleine als es mir plötzlich die Schlaufe aus den Fingern riss. Nach einem tollen Drill konnte auch ich eine Lachsdame von ca. 5kg (c&r) landen! Auch Werner, der bereits drei Tage früher angereist war, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige tolle Fische vorzuweisen. So stellt man sich einen perfekten Lachsurlaub vor…

Doch dann kam was kommen musste. Natürlich regnete es auch in diesem August wieder heftig und der Wasserstand stieg in den nächsten Tagen auf über 100m³! Natürlich wirkte sich dies auch auf die Fischerei aus. Zwar fingen wir hier und da unsere Fische, man musste die Stellen jedoch genau kennen wollte man in diesen Tagen Erfolg haben… Doch es war in diesen Tagen, als Hannes eines Abends einen Pool allein befischte und plötzlich seinen ersten Lachs des Lebens am Band hatte. Niemand konnte ihm in dieser Stunde mit Rat beiseite stehen und so drillte und landete er seinen Fisch ganz allein. Zufällig kam ich nur wenige Minuten später zu seinem Pool und konnte die Freude über seinen Erfolg mit ihm teilen. Solche Momente vergisst man nie…

Hannes mit Lachs

Kolja mit Lachs vom Kabelpool

Kolja landet Mirkos ersten Fliegenlachs

Es gibt viele weitere tolle Momente, die es durchaus Wert gewesen wären, hier Erwähnung zu finden. Da waren z.B. die lustigen Gespräche mit Steffan Kark, die Durchgänge die wir mit Horst Hrubresch teilten oder die Zeit, die wir mit Lars Bühnes Truppe verbrachten!

Allerdings mussten wir in diesem Jahr auch einige Erlebnisse machen, die mir im nachhinein noch immer leicht bitter Aufstoßen… Wie oft mussten wir zusehen, wie Fliegenfischer gefärbte Lachsweibchen mit prallen Bäuchen abschlugen?! Fische zwischen 3 – 7 kg die für den Erhalt ihrer Genetik ungemein wichtig sind. Egal mit wem man sprach, jeder war begeistert in diesem Jahr so viele große Fische im Fluss zu sehen. Nur machte sich irgendwie keiner von ihnen Gedanken wie man selber dazu beitragen könnte, dass dies auch in Zukunft so bleibt!

Am Mandal scheint sich ein Selbstverständnis eingebürgert zu haben, mit dem Erwerb einer Lizenz gleich für eine „volle Kühltruhe“ bezahlt zu haben! Und um dieses Ziel zu erreichen, werden die Regeln hier und da schon mal, nach dem eigenen ermessen ausgelegt. In dieser Saison wurde ausdrücklich vorgeschrieben, nach der Entnahme eines Fisches das Fischen bis zum nächsten Tag einzustellen! Trotzdem sah man einige Angler, die morgens schon gemetzelt hatten, am Abend an einem anderen Pool wieder. So nach dem Motto, „mit dieser Mütze erkennt mich bestimmt keiner“!

Diese Typen wurden dann nur noch von denjenigen übertroffen, die wohl meinen der Pool gehöre ihnen, schließlich habe man ja bezahlt. Oft musste man am Poolanfang wartend zusehen, wie Fischer einen vermeintlich guten Standplatz, etliche Minuten lang behakten, ehe mal wieder ein Schritt getan wurde. Oder man stieg gleich am „Hotspot“ ein, obwohl von oben einer hinunter fischte. Und wenn man dann noch die Frechheit besaß die Leute auf ihr Fehlverhalten anzusprechen, musste man mit einem Donnerwetter rechnen, so wie bei dem A….loch an der Hedelandstrecke (ich weiß du ließt mit!).

Doch es gibt auch Lichtblicke, denn Dänemark hat sich allem Anschein nach inzwischen zu einem ernst zu nehmenden Lachsland, mit vielen tollen Gewässern entwickelt. In den vergangenen Jahren fielen am Mandal zeitweise ganze Horden biersaufender Angler ein, deren grün-leuchtende Wurmdosen man bereits vom Parkplatz aus sehen konnte. Anscheinend haben sich viele von inzwischen näher gelegene Angeldomizile gesucht!

Catch and Release

Meine Schilderungen beruhen auf wahren Begebenheiten, zugegebener Maßen sind letztere vielleicht etwas überspitzt geschildert! Ich finde es wichtig, die Erlebnisse eines Trips so zu schildern, wie ich sie erlebt habe. Nun gab es diesmal, wie beschrieben auch einige Punkte die mir persönlich missfallen haben. Es ist mir bei aller Kritik jedoch wichtig, hier keinem einen Strick drehen zu wollen! Ich hoffe, meine Äußerungen werden so verstanden, wie sie gemeint waren… als Denkanstoß!

Tight Lines,

Kolja